Persönlich und bewegend | kärnten.unplugged
Shownotes
Hass im Netz ist nicht nur digital – er trifft echte Menschen. - In der neuen Folge von Kärnten unplugged sprechen Neo-Landesrätin Marika Lagger-Pöllinger und Präventionsexperte Christian Pöschl offen über Cybermobbing, Medienkompetenz, Gewalt im Netz und die Verantwortung von Politik, Eltern und Gesellschaft.
Eine intensive Folge über Schmerz, Haltung, Prävention – und darüber, warum Hinschauen wichtiger denn je ist. 🎧💬
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Unplugged – Episode 4
Hallo und herzlich willkommen zu Kärnten unplugged, dem Podcast des Landes Kärnten.
In Folge vier darf ich heute herzlich begrüßen: Neo-Landesrätin Marika Lagger-Pöllinger.
Sie wurden am 9. April als neues Regierungsmitglied angelobt. Das heißt, das ist jetzt ziemlich genau ein Monat her und Sie sind zuständig für Gemeinden, Frauen, Umwelt und Wasserwirtschaft. Guten Morgen.
Herzlich begrüßen darf ich auch Christian Pöschl. Sie sind Exekutivbeamter mit Schwerpunkt Prävention - Sucht, Gewalt, digitale Medien. Zudem sind Sie diplomierter Mentalcoach, Lebensberater, Sozialberater und Experte für digitale Kompetenz. Wunderschönen guten Morgen!
Unsere beiden Gäste verbindet - und das ist aus der Vorstellungsrunde nicht hervorgegangen - ein Thema ganz besonders: nämlich Cybermobbing, also Gewalt und Hass im Netz.
Tatsächlich tragen Sie, Frau Landesrätin, ein schweres persönliches Schicksal, mit dem Sie auch sehr offen umgehen. Sie haben sich für den Podcast einen Gesprächspartner gewünscht, mit dem Sie auch über dieses Thema reden können.
Im Jahr 2014 haben Sie Ihren damals 16 Jahre alten Sohn Elias eben aufgrund von Cybermobbing verloren. Wie sehr hat Sie dieses Schicksal in Ihrem Engagement gegen Gewalt im Netz geprägt?
Ja, also, wenn die eigene heile Welt praktisch über Nacht praktisch über Nacht plötzlich stillsteht und einem wirklich der Boden unter den Füßen weggerissen wird, dann macht das was mit einem, das verändert das Leben nachhaltig. Ich bin auch ein anderer Mensch geworden dadurch.
Meine Familie hat es wieder zurück in ein glückliches, gutes Leben geschafft. Aber man hat andere Sichtweisen und geht anders durchs Leben. Und tatsächlich nachhaltig verändert und auch Antrieb, sich in der Politik weiter zu engagieren und dieses Thema mitzutragen, war ganz essenziell eine Aussage eines Polizisten.
Und die möchte wirklich sagen, das war leider eine Person, die scheinbar ihren Beruf verfehlt hat. Das war ein Polizist, zu dem ich damals, circa 14 Tage nach dem Suizid meines Sohnes, hingegangen bin.
Wir haben das Handy auslesen lassen, sind dann erst draufgekommen, was sich da alles im Netz abgespielt hat, von dem wir keine Ahnung hatten. Und ich habe zu diesem Polizisten gesagt: "Ihr müsst was tun."
Und dieser Polizist hat mir damals gesagt: "Wissen Sie was? Ich gebe Ihnen einen guten Rat: Gehen Sie zu einem guten Psychologen und akzeptieren Sie, dass Ihr Sohn Selbstmord gemacht hat."
Und das war tatsächlich für mich dieser Moment. Und ich habe ihm das damals auch gesagt. Ich habe gesagt: "Wissen Sie, was: Unser Sohn ist tot. Das haben wir kapiert. Aber da draußen gibt es jede Menge Jugendliche, denen geht es gleich. Und ich werde nicht aufhören, darauf hinzuweisen. Und ich werde nicht aufhören, dafür zu kämpfen, dass sich da etwas ändert."
Herr Pöschl, wenn Sie jetzt dieser Exekutivbeamte gewesen wären: Was hätten denn Sie der betroffenen Mutter geantwortet?
Ich meine, es ist immer schwierig, jetzt im Nachhinein eine Rolle zu übernehmen, die ich nicht gehabt habe. Aber natürlich, so schrecklich Ereignis, wie wir es gerade gehört haben, belastet alle. Und Cybermobbing ist strafbar.
Und man müsste natürlich alles tun, was möglich ist, um zu versuchen, den oder die Täter im digitalen Raum auszuforschen, was ja funktioniert oder möglich ist. Aber es ist natürlich immer noch möglich, dass man das seine digitalen Spuren relativ gut im im digitalen Raum verwischt, dass es nicht möglich war.
Aber man hätte - so jetzt meine Sicht, aber ich möchte jetzt niemanden kritisieren - natürlich schauen müssen, was möglich wäre, auf der einen Seite.
Auf der anderen Seite, und das haben wir jetzt gehört, geht es um die Angehörigen: Wie geht es denen? Und was können die machen, wenn sie belastet sind? Welche Möglichkeiten gibt es, um die Angehörigen zu stabilisieren, um dieses schreckliche Ereignis ins Leben integrieren zu können, dass das Leben weitergeht?
Und das funktioniert hier doch sehr gut, würde ich sagen. Aber Cybermobbing ist strafbar und das sollte man halt alles Mögliche tun, was möglich ist.
Was hatten Sie eigentlich zu diesem Thema beruflich geführt?
Ach, das war so ein Prozess. Ich habe mich immer schon für die Digitalisierung interessiert. Ich bin zwar ein sogenannter Digital Immigrant, also ich bin gar nicht mit den digitalen Medien aufgewachsen, sondern ich bin noch mit einem Telefon mit Kabel aufgewachsen, mit einem Wählscheiben-Telefon.
Aber irgendwann hat mich die Digitalisierung interessiert und da ist man so reingewachsen, dass man sich eben für Themen interessiert, die im digitalen Raum präsent sind.
Und irgendwann ist Mobbing da. Mobbing gibt es ja auch ohne Cybermobbing. Wobei heutzutage ist es ja meistens eine Kombination. Es gibt ja nicht mehr pur Mobbing oder pur Cybermobbing, sondern das wird ja meistens kombiniert.
Und wenn man sich für digitale Themen interessiert, dann kommt man auch auf digitale Probleme. Und dann hat sich das beruflich so ergeben, dass es in der Prävention möglich war, durch bestimmte Projekte bei bestimmten Projekten teilzunehmen, mitzuarbeiten.
Aber auch privat, dass ich mich dafür interessiert habe, sowohl im Beratungskontext als auch im Vortragskontext, im Sensibilisierungskontext. Kontext, dass man sagt, okay, wie können wir vor allem Eltern oder natürlich jugendliche Kinder schützen bzw ihnen Tools und Kompetenzen in die Hand geben, damit man weiß, was kann ich machen, wenn es in die Richtung geht?
Oder wo kann ich mich hinwenden, wenn es in die Richtung geht? Und so hat sich das aufgebaut.
Jetzt haben Sie gesagt: Ja, es gibt heute Mobbing - Cybermobbing, aber auch im analogen Leben: Diese Hassbereitschaft und die Gewaltbereitschaft, die sind ja jetzt nicht so vom Himmel gefallen.
Worin sehen Sie die Ursachen, dass heute die Gesellschaft zunehmend gewaltbereit ist?
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es eine Zunahme ist oder eine höhere Sichtbarkeit. Natürlich, die Digitalisierung fördert die Sichtbarkeit von bestimmten Phänomenen.
Oft passiert es einfach in der Kommunikation, dass in der Kommunikation Probleme entstehen. Und früher hat man das, wie es noch nicht so digital war, einfach ausgeredet, wie man so schön sagt. Da hat man gesagt, okay, wo ist das Problem? Probieren wir einmal, ob wir einen Konsens finden.
Und heutzutage ist das Gegenüber, das digitale Gegenüber, halt nicht so präsent. Man schreibt es irgendwo hin auf eine Plattform und es gibt keine Ad hoc-Reaktion vom Gegenüber, sondern ich warte ab.
Und da habe ich keine richtige Reaktion vom Gegenüber. Ich kann mit dem nicht richtig sprechen.
Und es ist die Anonymisierung, die Anonymität im digitalen Raum. Es gibt ja immer noch die Möglichkeit, dass ich mich mit irgendeinem eigenartigen Spitznamen im digitalen Raum registriere und dort einfach meinen Hass, meinen Unmut kolportiere.
Und das ist halt das Problem, dass man dort keine direkte Reaktion hat und dass vielleicht durch bestimmte Ereignisse die Gesellschaft vielleicht schon ein wenig mehr hassgesteuert worden ist.
Das sind so Phänomene, die uns in den letzten Jahren begleitet haben und wo man vielleicht versuchen sollte, wieder mehr in Richtung Empathie, mehr in Richtung Menschlichkeit zu fördern, dass man sagt: Schauts einmal, das Problem, was ist eigentlich das Problem?
Oft ist das ein Riesenproblem im ersten Moment und wenn man das genauer anschaut, geht es dann auf einen kleinen Punkt und den Punkt kann man vielleicht lösen.
Ich möchte jetzt nur noch einmal die Ebenen von Mobbing besprechen. Man kann ja drei Betroffenen-Ebenen unterscheiden: Nämlich jene, die mobben. Man könnte sie Täter nennen. Dann jene, die gemobbt werden. Das sind die Opfer. Und dann die Angehörigen, die in den meisten Fällen nichts davon ahnen.
Können Sie uns da etwas Genaueres zu den Tätern sagen? Lassen die sich irgendwie kategorisieren?
Schwierig. Schwierig. Man würde sich leichter tun und vielleicht leichter, wenn man sagt, okay, wir hätten Parameter, wo wir sagen könnten, diese Kinder, diese Jugendlichen, diese Erwachsenen - Mobbing gibt es ja auch im Erwachsenenbereich - könnten zu Mobbern werden.
Das haben wir aber nicht. ES geht durch die Bank. Da können das Menschen sein, die aufgrund von verschiedensten Problemen - oft haben sie wirklich Probleme, die die Person haben und eigene Probleme - und die Probleme probieren sie dadurch zu kompensieren, dass sie sich erhöhen.
Mobbing ist sehr gut erklärt durch Erhöhung. Ich erhöhe mich selber dadurch, dass ich andere erniedrige. Das ist Mobbing im Gegensatz einem Konflikt. Bei einem Konflikt da streiten zwei, weil sie vielleicht eine gemeinsame Freundin haben und das Problem ist, jeder will die Freundin haben, aber es funktioniert nicht und Mobbing ist systematisch.
Das geht nicht nur mit einem Konflikt, sondern systematisch. Das dauert. Und so wie Sie gesagt haben, es gibt mehrere Rollen beim Mobbing. Das ist wichtig, dass man die Rollen kennt, erkennt: Das ist eben der Mobber, der Gemobbte und der große Bereich der Zuseher, der aktiven Helfer, der passiven Helfer und der Wegseher.
Und wenn man jetzt zum Beispiel im Schulkontext spricht: Diese Wegseher sind eine sehr große Gruppe. Und es ist wichtig und nötig, dass man den Wegsehern sagt: Passt auf, in eurer Gruppe passiert irgendwas, in einem System.
Und ihr seid aber so eine große Gruppe, Und ihr seid aber so eine große Gruppe, indem ihr aktiv sagt: In unserem System wollen wir das nicht. Dass ihr da das Systematische einfach ändert, das ist wichtig.
Aber um zur Frage zurückzukommen: Man hat eben keine, keine richtigen Parameter, um diese Gruppen zu identifizieren, identifizieren zu können und zu sagen, okay, das könnte der Mobber sein und das könnte der Gemobbte sein.
Da geht es darum, das System funktioniert so und so. Und die Mobber haben eben eine bestimmte Person, bei dem sie sagen: Okay, bei dem probiere ich es einmal, funktioniert es oder funktioniert es nicht.
Frau Landesrätin, welche Gruppe der Betroffenen wollen Sie in Ihrem Kampf gegen Gewalt im Netz ganz besonders erreichen?
Also es ist... Ich möchte da gar keine Priorität setzen. So wie es Christian Pöschl gesagt hat: Es gibt drei Gruppen, die in dem ganzen Kontext mitspielen und ich denke, es ist wichtig, jede dieser Gruppen anzusprechen.
Ich habe es auch immer so gehandhabt. Ich habe immer gesagt, mir ist es nie um Strafe gegangen. Auch eine Strafe hätte meinen Sohn nicht wieder zurückgebraucht. Und es steht mir nicht zu, ein Urteil zu sprechen.
Ich habe auch nie jemandem die Schuld gegeben am Suizid meines Sohnes. Das steht mir nicht zu. Ich bin kein Richter. Mir ist es immer darum gegangen, eben zu verhindern, dass es mehrere trifft.
Und ich habe auch damals zu diesem einen Polizisten - und ich möchte wirklich betonen, ich habe auch sehr gute Erfahrungen mit der Polizei gemacht, das war wirklich eine Einzelperson damals - zu diesem Polizisten gesagt: Und wenn wir nur ein Und wenn wir nur ein einziges Kind retten können, dann hat sich das gelohnt.
Und so wie Christian Pöschl gesagt hat, ich war früher viel unterwegs in Schulen, bei Betroffenen. Ich habe immer versucht, Botschaften mitzugeben.
Ich habe denen, die gemobbt wurden, immer gesagt: Das Wichtigste, das, was meinem Sohn leider nicht gelungen ist, weil die Scham wahrscheinlich da war, darüber zu sprechen, sich irgendjemandem anzuvertrauen und sich Hilfe zu holen.
Jene, die zugeschaut haben, denen hab ich immer gesagt: Bitte schaut's nicht zu, greift ein, übernimmt ihr die Initiative, lasst das nicht zu.
Und denen, die gemobbt haben, denn diese Erfahrung habe ich auch gemacht: Die Kinder und Jugendlichen sind sich ja nicht bewusst, dass jedes geschriebene Wort ohne Emotion, ohne sich gegenüberzustehen, ja bei einer sensiblen Person im falschen Moment eine menschliche Katastrophe auslösen kann, so wie es bei meinem Sohn der Fall war.
Da genügt ja oft dieser berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Und denen habe ich immer gesagt: Seid euch dessen bewusst, weil das sind sich die Kinder nicht.
Und das waren immer wichtige Botschaften. Mein Sohn ist unter anderem mit dem Umbringen bedroht worden. Und dieser junge Bursche hat dann damals der Polizei gegenüber ausgesagt: Ja, ich habe das ja nicht ernst gemeint.
Und ich glaube das diesem jungen Mann, dass er es nicht ernst gemeint hat. Aber mein Sohn hat es in diesem Moment ernst gemeint. Und das ist das Gefährliche an dem Ganzen.
Und ich denke eben, dass man da ganz breit ansetzen muss auch bei präventiven Maßnahmen. Und es ist eine unendliche Mühle, die da immer weiter laufen muss.
Der Tod meines Sohnes ist zwölf Jahre her. Ich habe damals als Mutter oder wir als Eltern keine Ahnung davon gehabt, wie krank es damals schon im Netz abgegangen ist. Keine Ahnung.
Und wenn ich jetzt so beobachtet, was sich in diesen zwölf Jahren getan hat, dann muss ich einfach sagen: Es ist völlig verrückt.
Sie haben ja auch einmal gesagt: Soziale Medien sind eine digitale Waffe...
Ich sage das wirklich so, wie ich es meine: Man würde seinem Kind niemals eine Waffe in die Hand drücken, Aber man gibt dem Kind, mit dem Handy, eine digitale Waffe in die Hand.
Und ich habe immer wieder so Erlebnisse, die mich wirklich beschäftigen. Ich habe vor zwei drei Monat über Facebook Messenger ein YouTube Video zugeschickt bekommen von einer jungen Frau und das war kein besonderes Video.
Es war keine Nachricht dabei, habe es nicht zuordnen können und habe auch nicht beachtet und kurz später war das Video gelöscht und diese junge Frau schreibt mir Sorry, der Kleine hat das Handy gehabt und hat irrtümlich dieses Video verschickt.
Der Kleine ist keine drei Jahre alt, das bricht mir das Herz. Wir geben unseren Kindern Handys in die Hand.
Handys, mit denen sie die digitale Welt erschlossen ist, in der es so krank zugeht, ohne die Kinder darauf vorzubereiten, ohne selbst zu wissen, was man dort tut und ich glaube deswegen, dass ansetzten muss auf mehreren Ebenen erfolgen.
Ganz, ganz wichtig ist die Medienkompetenz und Bildung, was auch der Christian sagt da haben wir vieles versäumt.
Ganz wichtig ist aber auch die Bewusstseinsbildung bei den Eltern. Und so wie ich damals keine Ahnung hatte, wie krank es im Netz zugeht So ist das eine andere Generation, die heute Eltern sind, die sicher ganz viel besser sein schon im digitalen Umgang.
Trotzdem in der Relation haben diese Eltern keine Ahnung. Weil wenn Eltern erzählen die Erfahrungen, die mir weitergeben werden, wenn mir eine Lehrerin, die ich sehr gut kenne, aus der Neuen Mittelschule erzählt, das es heute völlig normal unter Anführungszeichen ist, dass sich zehn-, elf- jährige Kinder Pornos anschauen und ich mit Eltern drüber spreche und die Eltern große Augen haben, genauso wie ich es gehabt habe, weil das nicht normal ist.
Wenn ich heute mit Eltern spreche und frage: Wisst ihr davon, dass momentan Videos kursieren, wo Jungen sich gegenseitig dazu aufrufen, Mädchen zu vergewaltigen, dann schauen mich die Eltern groß an.
Wenn ich mit Eltern spreche, die mir auch sagen: Sie haben zufällig bei ihrem Sohn gesehen, dass er sich ein Video anschaut, wo es darum geht, Männlichkeit zu stärken.
Wir sind nur dann männlich und stark, wenn wir Frauen unterdrücken. Wenn wir Gewalt anwenden. Wie gehen wir damit um, wenn sie Nein sagt und mich groß anschauen. Und dann wissen wir, wo wir uns bewegen.
Dann möchte ich da einhaken. Die Folge davon ist ja, dass sie zu jenen Politikern gehören, Politikerinnen gehören, die ein Verbot sozialer Medien bis vierzehn Jahre fordern.
Herr Pöschl: Wie stehen denn Sie zu dieser Forderung?
Regulierungen ja auf alle Fälle, dass haben wir gehört, weil es ja wirklich Phänomene gibt, so wie diese Meinungsmacher was wir angesprochen haben.
Oder Incels, was ist ein eigenes Phänomen ist, wo Männer behaupten, sie seien etwas. Übersetzt: Unfreiwillig zölibatär. Ganz eine schräge Geschichte.
Was dann etwas in die Radikalisierung geht. Ein großes Thema im digitalen Raum. Und natürlich muss man die die Medienkompetenz fördern, fordern, auch einfordern. Würde behaupten je früher, desto besser.
Zum Verbot stehe ich etwas ambivalent weil: Ist ja noch gar nicht richtig klar ist, wie wir das jetzt umsetzen sollten.
Welche Netzwerke? Die Gefahr könnte bestehen, wenn man sagt wir nehmen: eine Hausnummer z.B.: Facebook, Instagram, TicToc natürlich, keine Ahnung was noch dazu kommt, dann werden die Jugendlichen und die sind sehr kreativ.
Das zeigt auch das Beispiel Australien. Werden Sie vielleicht ein Netzwerk finden, das noch radikaler ist und das noch weniger zu kontrollieren ist?
Also sie werden immer irgendwo Bereiche finden, wo Sie das umgehen könnten oder technische Möglichkeiten zum VPN Technik zum Beispiel werden Sie finden, wo man das umgehen kann und deshalb Regulierung ja, bestimmte Regulierung ...
Ob es ein komplettes Verbot sein sollte, bin ich skeptisch, ob das wirklich funktioniert, ob es den Erfolg bringt, weil wir haben ja noch keine Ergebnisse oder Studien, die sagen, dieses Social Media Verbot würde genau diesen Erfolg bringen, den wir uns erhoffen.
Das gibt es ja derweil wir nicht, weil Australien ist noch kein Jahr alt.
Und das zweite, ganz wichtig ist natürlich diese diese Förderung von Medienkompetenz und da bin ich ganz dafür, dass man das strukturell im Schulbereich nicht nur erst ab der Mittelschule, sondern tatsächlich in der Volksschule schon beginnen, das zu fördern, dass es wirklich Pflicht wird für die Schulen, dass sie das einbauen und ich finde es wichtig, dass man schaut, dass die Kinder eine Vertrauensbasis irgendwo haben.
Und das sollten die Eltern sein, Wo sie sich anvertrauen können, auch wenn sie sich nicht trauen. Aber es ist gar nicht falsch oder gar nicht schlecht, wenn man irgendwo etwas sieht und damit nicht klar kommt und wir werden es auch durch Social Media Verbot nicht verhindern können, dass bestimmte pornografische Darstellungen bestimmte gewalttätige Darstellungen...
Es gibt ja Kriegsvideos, Enthauptungsvideos, die auf den auf den Handys der Kinder unterwegs sind. Dass die trotzdem auf dem Handy sein, aber es wir Erwachsene vielleicht nicht ganz verstehen.
Die heutigen Jugendlichen, also wir trennen noch immer analog und digital. Also ich mache das so für mich, weil ich so aufgewachsen bin.
Für die heutigen Kinder und Jugendlichen ist ja die digitale Welt die Welt, also die digital und analoge Welt, die Welt - die können das kombinieren.
Ein Beispiel Mein 15-jähriger Sohn, der spielt jetzt seit einiger Zeit Fußball im Verein und der kombiniert ist so toll, der schaut sich die Videos an wie die berühmten Fußballer das machen.
Also ich bin ein kompletter Anti Fußballer. Ich könnte nicht mal einen Fußballer Namen nennen. Wie die tollen super Kicker ihre ihre Tricks machen.
Das spielt er dann im echten Leben nach und die Kinder kombinieren das komplett. Das ist ihre Welt.
Durch ein Socialmedia-Verbot finde ich, wird ihnen ein Teil ihrer Welt vielleicht verbaut, weil es ja bestimmte Angebote gibt, gute Angebote für unter 14-Jährige, die sich vielleicht in der realen Welt noch nicht so gefunden haben und dann vielleicht auf ein Instagram-Konto von zum Beispiel "Rat auf Draht" gehen und vielleicht Tipps finden, wie sie mit dieser Thematik, die sie im Kopf haben, umgehen könnten.
Frau Landesrätin, was sagen Sie zu diesen Argumenten, die das kritisch sehen?
Also ich bin ja grundsätzlich ganz beim Christian Pöschel.
Das erste Gebot ist einfach die Medienkompetenz. Bildung bei den Kindern, Jugendlichen, auch bei den Eltern. Trotzdem habe ich eine klare Haltung dazu.
Und zu der stehe ich, auch, wenn es kontroversiell diskutiert wird. Für mich ist es einfach so, dass ich sage: Mit dem Wissen, das wir heute haben, mit dem Wissen, dass Kinder wirklich ab dem Volksschulalter schon mit Handys ausgestattet sind.
in WhatsApp-Gruppen unterwegs sind, dass das Internet freigeschalten ist, Eltern oft gar nicht wissen, wie sie mit irgendwelchen Sicherungen ihre Kinder vor bösen Inhalten bewahren können.
Mit diesem Wissen, dass sich dort eine Generation bereits in diesem Dilemma befindet, glaube ich, haben wir gar keine andere Möglichkeit, als zusätzlich zur Medienkompetenz Bildung bei Kindern und Eltern als einen Schutzschirm einzuziehen.
Und jetzt ist das Wort “Verbot” so ein schlimmes. Und ich bin auch überhaupt kein Mensch, der Verbote mag. Aber warum nennen wir es Verbot?
Warum nennen wir es nicht so, wie der Christian gesagt hat - eine Regulierung? Es gibt ja andere Wörter dafür.
Es geht ja nur darum, dass wir diese Kinder und Jugendlichen, die jetzt bereits dort drinnen sind, aus meiner Sicht haben wir jetzt nicht mehr die Zeit, da jetzt mit Medienkompetenz Bildung diese Kinder herauszuholen.
Und für mich ist es ein Schutzschirm, wo ich sage, da müssen wir sie jetzt auffangen und dann langsam dorthin führen.
Jetzt ist das ein mühsamer Weg. Und Australien ist Vorreiter. Wir haben jetzt die Chance, daraus zu lernen: Was funktioniert, was funktioniert nicht? Was kann man besser machen?
Es geht auch um Datenschutz, natürlich. Aber es kann mir bitte niemand erzählen, dass wir in der heutigen Welt, wo man Fotos von Verstorbenen zum Leben erwecken kann, dass es da keine Möglichkeiten gibt, das so zu regulieren, dass Kinder und Jugendliche sich sehr wohl Informationen holen können, miteinander kommunizieren können, sich Videos anschauen können, aus denen sie wirklich lernen.
So wie du sagst: Fußball-Videos, die sie weitertragen. Das kann mir doch bitte niemand erzählen, dass es diese Möglichkeiten nicht gibt.
Und so wie du gesagt hast, das sehe ich genauso - wieder diese Gefahr: Ein Fußball-Video, das mache ich nach.
So und dann schauen sich Kinder Pornos an, erleben so, lernen so kennen, dass so vielleicht Sexualität stattfinden soll.
Nein!
Deswegen, da braucht man einfach viel Feingefühl, aber aus meiner Sicht trotzdem mit Verbot, mit Regulierung, mit einem Schutzschirm, wie auch immer.
Und ich sage es einmal: Es wird immer welche geben, die Verbote umgehen. Das wissen wir.
Trotzdem glaube ich: Wenn der Zugang erschwert wird, dass es nicht mehr so einfach wird.
Wenn ich heute in einem Geschäft, in einem normalen Regal, wo es Süßigkeiten oder Knabbergebäck gibt, auch Zigaretten drinnen hab, dann wird es leichter gehen, als wenn ich sage: Nein, da gibt es eine Altersgrenze und das kriegst du nicht.
Es wird welche geben, die besorgen es sich trotzdem. Und es wird welche geben, die werden sich daran halten.
Und ich vergleiche es auch ein bisschen damit, dass ich sage - so wie du schon gesagt hast: Es gibt einen Radlführerschein, es gibt einen Autoführerschein, es ist Alkohol verboten für Jugendliche.
Ich drücke ja auch nicht einem 10-Jährigen eine Schachtel Marlboro in die Hand und sag: So und jetzt tust du einmal verantwortungsbewusst lernen zu rauchen.
Das funktioniert ja so nicht. Ich muss zuerst aufklären und dann irgendwann ist das Alter da, wo ich sage: Jetzt darf du - und dann kann man nur hoffen, dass das Vertrauen, die Bildung bis dorthin das dann auch vernünftig machen lässt.
Abgesehen jetzt von einem Verbot oder einer Regulierung der Mediennutzung: Welche politischen Maßnahmen - wirklich politische Maßnahmen - könnten helfen, diesem Phänomen Hass im Netz die Stirn zu bieten?
Also ich bin wie gesagt unheimlich dankbar, dass jetzt, zwölf Jahre nach dem Tod von meinem Sohn, diese Diskussion endlich einmal breit geführt wird. Nicht nur auf Landesebene, nicht nur auf Bundesebene, sondern auf EU-Ebene.
Und es war vor drei Tagen der EU-Kommissar Magnus Brunner hier und wir haben auch über dieses Socialmedia-Verbot gesprochen. Also es wird wirklich auch auf EU-Ebene gut diskutiert.
Man weiß, dass man die großen Plattformen wirklich in die Pflicht nehmen muss, um da einen Riegel vorzuschieben.
Aber ich denke, es ist ganz wichtig, im Kleinsten anzufangen. Und anfangen müssen wir alle einmal auf politischer Ebene, bei uns selber, grundsätzlich indem wir Vorbilder sein müssen für unsere Kinder und Jugendlichen im Umgang miteinander, in einen wertschätzenden Umgang miteinander, in einem Umgang miteinander, wo auch Werte wieder etwas zählen, wo auch eine Frau etwas zählt, wo man diese Rollenbilder, diese veralterten Rollenbilder, die man jetzt auch durch diese durch diese Deepfakes oder was auch immer jetzt wieder versucht einzuführen, Frauen wieder zurückzudrängen an den Herd, dass man dort einmal anfängt.
Was mich wirklich in der politischen Diskussion unheimlich zornig macht, das ist das, dass wir es nicht einmal da schaffen, wenn es um unsere Kinder geht, dass wir ehrlich sind. Sondern selbst dort wird versucht, politisches Kleingeld zu sammeln.
Und ich sage es wirklich so, wie ich es meine, weil ich erlebe das: Weil auch dort versuchen wir wieder aufzuhetzen und zu spalten. Und das ist etwas, wo es für mich das erste Gebot ist, dass man dort einmal anfangen muss.
Das ist unheimlich schwierig. Das wissen wir. Aber wenn ich dann heute sage, wenn wir über Maßnahmen nachdenken und jede Maßnahme in diese Richtung, egal, ob es dann darum geht, dass man mit der Medienbildung schon in der Volksschule, im Volksschulalter anfangen müssen oder dann bis zu einem Verbot oder Schutzschirm für Social Media, dann wird den Leuten sofort laut geschrien: Um Gottes Willen, Überwachungsstaat, Zensur, Freiheitsentzug.
Herr Pöschl, welche Maßnahmen, glauben Sie, könnten helfen oder mithelfen, gegen Cybermobbing oder generell gegen Gewalt und Hass im Netz vorzugehen? Was braucht es da seitens der Politik?
Ja, wir haben es ja schon ganz gut gehört: Diese Medienkompetenz-Schulung ist meiner Meinung nach das Um und Auf. Und auch, wie wir es jetzt gehört haben, das Sichtbarmachen dieser Probleme, weil die dümpeln jetzt oft so im Unsichtbaren dahin.
Tradwife, Incel und so, das gehört einfach vor den Schirm und es gehört gesagt: Passt einmal auf, liebe Eltern - weil je jünger die Kinder sind, da sind grundsätzlich die Eltern dafür verantwortlich - liebe Eltern, schaut her, das gibt es im digitalen Raum.
Ich würde aber gern die positiven Seiten vielleicht, dass man die einmal zeigt. Das gibt es auch im digitalen Raum: Es gibt ja, wenn man jetzt wieder TikTok hernimmt, es gibt ja auch viele Seiten, die informieren, zum Beispiel die Themen, wo man Informationen holen kann.
Aber die Medienkompetenz ist etwas ganz Wichtiges. Dass man darüber diskutiert, dass man sagt: Passt auf, diese Probleme gibt es.
Und was wir so aus der Praxis, was ich so in der Praxis so sehe ist, dass die Eltern... Wir müssen auch die Eltern ins Boot holen. Es gibt ja ganz viele Informationen, Kurse, kostenlose Möglichkeiten, wo die Eltern sich informieren können.
Die Eltern sind überforderten. Und ich verstehe es auch: Wenn man das nie gelernt hat, kann man damit nicht umgehen. Ich bekomme ein Riesenhandy, ein super Handy und bekomme eine super Technik, aber ich kann damit nicht umgehen.
Und da müssen wir irgendwie probieren - und da habe ich die Lösung leider auch noch nicht gefunden, wie man die Eltern dort besser aktivieren können. Und sagen kann: Passt auf, Freunde, geht zu diesem Elternabend, der angeboten wird, geht zu diesem Workshop, der angeboten wird. Das ist eine ganz wichtige Geschichte.
Was mir dazu noch eingefallen ist: Man könnte sich überlegen, dass man diese Regulierung gestaffelt macht. Dass man sagt: Okay, bis drei da gibt es kein Handy. Bis zu dem Alter gibts die Light Version. Und bis zu dem Alter, dass man dann sagt: Wir lassen die Kinder und Jugendlichen da reinwachsen.
Zum Beispiel Radfahrführerschein oder auch allgemein der Führerschein. Das wäre eine geniale Lösung, finde ich, dass man das sagt: Weil wenn wir jetzt sagen ein Verbot, dann werden sie ja jetzt nicht mit einem Schnipser mit vierzehn medienkompetent sein.
Nein, das müssen sie ja vorher lernen. Da muss man sie ja vorher hinführen zu dem Thema. Und da ist für mich... Man sagt immer so schön: Prävention ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und das ist nicht nur ein Spruch.
Das ist ja wirklich Fakt, dass die ganze Gesellschaft da hinschauen muss. Medienkompetenz muss sein.
Digitale Zivilcourage ist ein großes Wort, das ja, wenn ich was Schlechtes sehe im Netz, dass ich dann sage: Ich weiß, wie ich darauf reagieren muss.
Das wissen ja viele nicht. Ich kann das melden. Ich kann Anzeige erstatten. Ich kann dazu etwas schreiben: Freund, das passt jetzt nicht, dass du bei diesem Posting einen Hasskommentar dazutust, das ist einfach falsch und bitte, da muss es Konsequenzen geben.
Darf ich ganz kurz auf das eingehen? Weil das war jetzt aus meiner Sicht ganz wichtig: Die erste Verantwortung liegt natürlich bei den Eltern.
Und weil ich aktuell gerade darüber diskutiert habe mit einer jungen Mama. Das ist nämlich der Wahnsinn, der dahintersteckt. Denn bei diesen Videos, die da jetzt gerade im Netz kursieren, mit diesen Vergewaltigungsaufrufen Diese Mutter hat das Glück, dass das 12-jährige Mädchen ihr das zu Hause erzählt hat.
Und der Papa von dem Mädchen wollte sich dieses Video anschauen. Der findet das nicht im Netz. Er findet es nicht, weil, und das ist dieser Wahnsinn, der Algorithmus, das bewusst nur einer bestimmten Altersgruppe zuspielt.
Das heißt, auch Eltern, die verantwortungsvoll sind, die sich Inhalte anschauen, die finden diese Videos nicht. Und wenn die Kinder das nicht erzählen und das spielt halt dann dieses Schamgefühl eine Rolle, dann haben sie gar nicht die Möglichkeit dazu.
Aber ich bin ganz bei dir, Christian, dass man sagt, ein Schutzschirm in Stufen. Und wir haben ja einmal im Landtag einen Antrag Handyführerschein eingebracht.
Ob man es jetzt so nennt oder nicht, das ist egal. Aber dass man wirklich sagt, in Stufen die Kinder vorsichtig hinführen. Aber einfach gewisse Inhalte nicht zugänglich machen und sie hineinwachsen lässt in das Ganze. Ich glaube, das ist ganz, ganz wichtig.
Was ich jetzt da wie dort herausgehört habe, ist: generell sensibilisieren, die Menschen aufklären, also quasi in ihren Kompetenzen schulen.
Das bedeutet aber, dass ich auch dieses Angebot schaffen muss, nämlich wirklich Experten in digitaler Kompetenz, Menschen wie Sie, Herr Pöschl, als Experte für Prävention.
Aber ist da nicht genau die Politik gefordert? Und dass es da wirklich ein engeres Zusammenspiel gibt von Experten und Politik? Dass die Politik den Rahmen schafft?
Es gibt ja die Angebote in den Schulen, Workshops in den Gemeinden. Worauf wartet man hier?
Ja, das frage ich mich auch oft. Also natürlich ist die Politik gefordert und die Schwierigkeit besteht darin: Die Kinder können wir ja flächendeckend erfassen und einbinden.
Das funktioniert aber wieder nur über die Schulen. Denn nur in der Schule erreicht man die Kinder flächendeckend. Jetzt ist es natürlich schwierig, alles immer an die Schulen abzuschieben, weil es ja ein Teil der Verantwortung und Erziehungsarbeit ist.
Aber ich denke, da können wir nur in den Schulen ansetzen. Und da gibt es Länder, die große Vorbilder sind: Estland, nordische Länder, die wirklich mit dieser Medienkompetenz Bildung schon im Volksschulalter anfangen, kindgerecht, altersgerecht.
Andererseits die zweite Säule sind die Eltern. Da erreicht man halt nur jene, die sich eh interessieren, die aber auch gehemmt sind durch die Algorithmen. Und eine gewisse Anzahl von Eltern erreicht man einfach nicht.
Das kannst du nur auf freiwilliger Basis machen und das ist die Schwierigkeit. Deswegen glaube ich, muss der erste Ansatz wirklich bei den Kindern sein, weil die können wir flächendeckend erreichen.
Und wie gesagt, grundsätzlich ist es halt schwierig, wenn in der Politik keine Einigkeit besteht, weil man halt leider Gottes vielleicht nicht immer sachlich diskutiert, sondern immer versucht, politisches Kleingeld zu sammeln.
Das ist das Schwierige, weil wir müssen einfach weiter daran festhalten. Und ich bin immer guter Dinge, dass man im Endeffekt, wenn wir wirklich das Miteinander in den Vordergrund stellen und vor allem uns das vor Augen führen, dass es da um unsere Kinder geht, dann wirklich weiterkommen.
Es ist ein schwieriger Weg, aber steter Tropfen höhlt den Stein. Und wie gesagt, wir sind jetzt schon auf einer guten Diskussionsebene angelangt und ich glaube, da kann man jetzt ansetzen, wenn wirklich alle Player da mitspielen.
Sie sind auch Gemeindereferentin und Sie waren auch Bürgermeisterin in Lendorf: Sehen Sie da eine Möglichkeit, dass die Gemeinden selbst vor Ort aktiv werden und vor Ort ihrer Bevölkerung Möglichkeiten anbieten, die zu einem gesunden Miteinander beitragen?
Also ein gesundes Miteinander im Allgemeinen fängt bei mir immer mit einem wertschätzenden Umgang an. Und das ist auch etwas, da habe ich eine sehr klare Haltung dazu.
Ich bin eigentlich eine ganz Nette, sage ich immer. Aber ich habe eine ganz klare Haltung und da weiche ich keinen Millimeter ab in diesem wertschätzenden Umgang, den fordere ich ein, auch mir als Politikerin gegenüber, denn auch eine Politikerin ist ein Mensch mit Familie, mit Hintergrund, mit einem Rucksack, den man durchs Leben trägt und wo ich ganz klar dagegen aufstehe.
Und das muss einfach in der kleinsten Zelle- und das fängt an in der Familie und dann in der Gemeinde, das ist, gegen das Wiederaufleben von nationalsozialistischer Rhetorik, was wir auch ganz stark wieder erleben.
Und ich werde immer dafür eintreten, wenn Beleidigungen stattfinden oder so etwas in die Richtung passiert. Ich denke, das ist auch ein guter Hinweis für uns in der Politik, wo man ansetzen könnte, weil es ist ein großes Hilfsangebot da.
Wir arbeiten grundsätzlich sehr gut mit den Experten zusammen und sind froh, dass es so viele gut ausgebildete Expertinnen und Experten gibt.
Aber wo ich ein bisschen die Problematik sehe, ist: Mich sprechen so viele Leute an und fragen: Wohin kann ich mich wenden? Und da muss ich einmal nachdenken.
Es gibt viele Hilfsangebote, es gibt Ansprechpersonen, aber wo laufen die zusammen? Und ich denke, unsere Aufgabe ist wirklich, da auch niederschwellig einmal eine erste Anlaufstelle zu finden.
Es gibt die Organisationen "Wohin", die vom Land Kärnten gefördert wird, wo sich jeder hinwenden kann mit Problemen verschiedenster Art und dann weitergeleitet wird zu Facheinrichtungen, wo weiter geholfen werden kann.
Da glaube ich, haben wir noch Verbesserungsmöglichkeit und es wäre wahrscheinlich ein guter Ansatz, wirklich zu sagen in den Gemeinden, weil über die Gemeinden schaffen wir es dann auch, flächendeckend Bewusstseinsbildung zu betreiben, gerade auch in der Elternbildung.
Wie gesagt, da werden wir auch einmal darüber nachdenken; das ist ein sehr guter Hinweis. Anfangen muss es immer im Kleinsten und das von unten nach oben zu tragen, indem man auch ein Vorbild ist im Umgang.
Herr Pöschl, jetzt als Experte: Gibt es eine Forderung an die Politik oder einen Wunsch an die Politik, wo Sie sagen: Da müssen wir uns einmal zusammenschließen und das geht noch ab?
Es ist ja schon viel gesagt worden. Diese Schulung der Medienkompetenz: je früher, desto besser. Mir hat der Vergleich von mit den baltischen Staaten oder Finnland gut gefallen, die wirklich sehr früh damit beginnen. Und es zeigt, dass das erfolgreich ist.
Sie sind auch in der allgemeinen Bürgerbeteiligung sehr digitalisiert: Also Wahlen gibt es in Estland zum Beispiel nur noch als Digitalwahlen. Und der Wunsch, einfach... Das hat mir gut gefallen, die Vernetzung ist wichtig.
Schauen wir einmal: Was gibt es in meinem Bereich? Und das können wir natürlich in der Gemeinde sehr gut durchführen, dass ich einmal im Kleinen anfange. Oft wissen die Gemeinden gar nicht, welche Kompetenzen im eigenen Bereich leben und aktiv sind.
Es gibt wirklich viele Angebote im digitalen Bereich. Mir fällt da dieses Digital Austria ein, die kostenlose digitale Schulungen für Gemeinden, für Institutionen anbieten, wo man sich einfach anmelden kann und wo es gut geschulte, sehr gut geschulte Trainer, Trainerinnen vor Ort hinkommen.
Vor Ort: Das ist auch wichtig, dass die Menschen nicht weiß Gott wie weit hinfahren müssen. Für einen Spittaler bringt es nichts, wenn ich in Villach oder in Klagenfurt eine tolle Veranstaltunge habe.
Weil viele sagen: Nein, jetzt am Abend fahre ich nicht mehr so weit, weil da habe ich keinen Geist. Aber dann mache ich es halt in irgendeinem Kulturhaus, die gibt es ja überall vor Ort und das passt super toll.
Und die Forderung ist einfach: Medienkompetenz schulen, Medienkompetenz fördern. Ich finde, das ist eine ganz, ganz wichtige Geschichte, weil dann werden wir nicht das haben, was wir derzeit haben: Dass nämlich unsere Digital Natives immer noch nicht medienkompetent sind.
Ich muss halt anfangen, die zu schulen, dass ich medienkompetente Digital Natives habe. Das erhofft man sich ja in der ganzen Medienlandschaft: Den optimalen Fall, dass sie ihre Medienkompetenz dann an ihre Kinder weitergeben können.
Das fehlt uns ja derzeit. Wir haben Eltern, die haben super tolle Geräte, aber die wissen nicht, welche Gefahren oder welche Vorteile diese Geräte bringen.
Das ist für mich die Idee. Und, was mir auch gut gefallen hat: Dass man außerhalb der Politik schaut, was gibt es für Menschen, die auf dem Bereich vielleicht etwas wissen, etwas erzählen können.
Dass man die einladet und sagt: Schauen wir einmal, was gibt es denn für kreative Ideen, für tolle Ideen, für Sachen, die man da einbauen kann?
Dass wir da alle an einem Strick ziehen, weil wenn jeder auf einer anderen Seite beim Strick zieht, da wissen wir, da geht nichts und da vergeuden wir wichtige Zeit.
Die Digitalisierung schläft ja nicht. Das sind riesige Schritte. Jetzt zum Thema KI: Wir machen mit der KI einen riesigen Schritt. Jetzt werden wir das vielleicht auch noch versäumen, dass wir die Kinder KI-fit machen.
Das ist schon der nächste Schritt. Und da sind wir auch schon wieder leicht hinten nach. Und deshalb müssen wir jetzt zumindest einmal beginnen und nicht nur immer diskutieren.
Beginnen wir jetzt, fangen wir an! Medienkompetenz ist ein riesiges Thema und jetzt fangen wir an, dass wir das auch kompetent und strukturiert fördern.
Sie sind ja auch Lebensberater, Mentalcoach, wie gesagt: Wie haben sich denn die Sorgen und Ängste und Bedürfnisse Ihrer KlientInnen in den vergangenen Jahren verändert? Oder haben sie sich überhaupt verändert? Oder sind die Sorgen von gestern auch die Sorgen von heute?
Also bin bin selbstständiger Lebens- und Sozialberater. Die Sorgen sind ja oft basal, weil die Leute, bevor sie einmal zu einer Beratung kommen, muss ja dieser Leidensdruck ein bisschen vorhanden sein, denn sonst kommt ja kein Mensch freiwillig zur Beratung.
Egal, welche Beratung es ist. Dieser Leidensdruck ist immer da und die Freiwilligkeit ist wichtig.
Aber ich glaube nicht, dass sich die Sorgen der Menschen verändert haben. Es hat sich ein bisschen die Gesellschaft verändert und dadurch ergeben sich andere Sorgen.
Aber grundsätzlich sind das... Ich habe in letzter Zeit viel mit Jugendlichen geredet und schon so eine bisschen Art von Überforderung gesehen, weil sie mit dem System oder mit der Welt nicht zurechtkommen: Dort wird gekämpft, da wird gekämpft.
Und das wird natürlich wieder durch die Medien präsentiert. Und da probiert man halt als Berater einfach zu schauen, was habe ich selber für Ressourcen. Den Krieg werden wir selber als Berater und als Klient nicht ändern können.
Aber wir können schauen, was habe ich selber als Person für Ressourcen, für positive Ressourcen, kann ich mir diese schnappen.
Dann kann ich sagen: Okay, das ist mir wichtig, weil ich muss schauen, dass ich diese Ressourcen aktiviere.
Die Sorgen sind meiner Meinung nach schon gleichgeblieben, sie sind vielleicht etwas breiter geworden, aber sonst sind die Sorgen gleichgeblieben.
Stichwort Veränderung - auch wenn die Sorgen die gleichen geblieben sind: Mit Ihrem Umstieg von der Gemeindepolitik in die höchste Landespolitik hat sich Ihr Leben bestimmt wesentlich verändert.
Was waren denn in den letzten Wochen die markantesten Veränderungen?
Ja, es ist natürlich unheimlich intensiv momentan. Man steigt in ein laufendes Hamsterrad ein. Man muss schauen, dass man da einsteigt, schnell Tritt fasst und nicht unter die Räder kommt.
Aber im Grunde genommen, wenn ich das jetzt vergleiche mit meiner Arbeit als Bürgermeisterin, ich war elf Jahre Bürgermeisterin, also direkt bei den Menschen, ja, ganz bei den Menschen:
Es ist dieselbe Arbeit, nur auf ganz anderer Ebene. Die Problemstellungen sind dieselben, die Themen sind dieselben, nur behandelt man sie jetzt auf anderer Ebene.
Es ist eine wunderschöne Aufgabe und ich möchte meinen Zugang, nah bei den Menschen zu sein, die Sorgen und Nöte der Menschen, die ich draußen mitkriege, dann wirklich wieder auf die Ebene zu tragen, dorthin, wo Entscheidungen folgen können.
Also von dem her ist es, wie gesagt, eigentlich nicht viel anders, nur sehr viel intensiver und auch mit mehr Verantwortung und natürlich auch mit mehr Angriffsfläche, das muss man sagen.
Ihre Mutter hat zu Ihnen gesagt: Geh ja nicht in die Politik, da geht es grauslig zu.
Dazu zwei Fragen: Warum haben Sie nicht auf den Rat Ihrer Mutter gehört?
Ja, sie hat es tatsächlich gesagt, bevor er das erste Mal zur Bürgermeisterwahl angetreten bin. Das war aber gut ein Jahr nach dem Tod meines Sohnes.
Sie hat sich einfach Sorgen gemacht. Na ja, ich war halt, auch früher als Jugendliche, so, dass ich nicht immer auf den Rat meiner Mutter gehört habe. Es war schon so, dass ich schon sehr eine Revoluzzerin gewesen bin.
Mittlerweile ist sie aber stolz auf mich. Und interessanterweise: Es war ja eine schwere Entscheidung für mich, mein Bürgermeisteramt aufzugeben und diesen neuen mutigen Schritt zu wagen.
Und da war es tatsächlich meine Mama, auf die ich ein bisschen gehofft habe, dass sie sagen wird: Nein, mach das ja nicht. Und das war nicht der Fall.
Sie hat gesagt: Mah, so eine Chance, das musst du ja wahrnehmen. Ich habe sagt: Mama, ich habe jetzt gehofft, du wirst mir diese Entscheidung abnehmen, die mir so schwer fällt.
Ja, wie gesagt, man ist da viel Angriffsfläche ausgesetzt. Das ist natürlich sehr schwierig.
Ich möchte aber ein Vorbild sein, vor allem für Frauen, mutige Wege zu gehen.
Ich habe nie, das habe ich einfach gelernt nach dem Tod von meinem Sohn: Das Leben ist nicht so, wie man es sich ausmalt und denkt und plant.
Das Leben spielt leider Gottes oft anders und deswegen möchte ich einfach Chancen ergreifen und wahrnehmen.
Und ich bin stolz auf meine Mama, die ich Gott sei Dank noch habe und ja, diesen Rat habe ich nicht befolgt.
Weil Sie auch gesagt haben: Man ist Angriffen ausgesetzt - dann stimmt das Argument Ihrer Mutter, dass es in der Politik grauslich zugeht?
Ja. Das muss ich so sagen. Und das ist, glaube ich, auch der Grund, warum viele Frauen leider den Schritt nicht wagen. Das finde ich total schade und da möchte ich Vorbild sein.
Ich habe, wie ich vor elf Jahren das erste Mal in einen Bürgermeister-Wahlkampf gegangen bin, zu meinen Mitbewerbern gesagt: Und ich sage euch eines: Ich werde Frauen in allen Fraktionen dazu ermutigen, in die Politik zu gehen.
Und die haben Angst gehabt, weil sie gewusst habe, ich tue es. Und das mache ich heute nach wie vor.
Ich bin absolut überzeugt, dass mehr Weiblichkeit in der Politik guttun würde. Im Umgang miteinander, aber auch im Finden von Kompromissen und Lösungen.
Weil wir einfach, glaube ich, leichter auf den anderen einen Schritt zugehen können, vielleicht auch diese männliche Eitelkeit nicht so in uns haben, wie es Männer oft haben.
Und deswegen möchte ich einfach Frauen auf allen Ebenen, in allen Fraktionen dazu bewegen, auch, wenn es grauslich zugeht, aber ich glaube, dieser raue Umgangston ist teilweise bewusst von den Männern, damit Frauen zurückgedrängt werden.
Ich komme aus einem Bezirk, der ist sehr konservativ geprägt. Ich war damals die einzige Bürgermeisterin in ganz Oberkärnten.
Ich bin bis dato die einzige Bürgermeisterin, die ein zweites Mal gewählt wurde in Oberkärnten. Und ja, ich hoffe, da haben wir viel Luft nach oben, dass sich das einmal ändert.
Wo finden denn Sie Ihren Ausgleich?
Ich finde meinen Ausgleich vor allem bei meiner Familie, in meinem Zuhause. Also meine eigene vier Wände, mein Garten und in der Natur, das ist das, wo ich mich gerne aufhalte, wenn ich gerne runterkommen will, und wo ich wieder Kraft sammeln kann.
Herr Pöschl, Sie finden Ihren Ausgleich offensichtlich in der Musik: Sie sind Konzertorganisator der Aktion Mutante. Da holen Sie wirklich subversive Musiker aus allen Teilen der Welt und machen da sehr laute, schrille, radikale Musik.
Von wo kommt diese extreme Musikleidenschaft?
Oh, das ist jetzt eine gute Frage. Ich bin in einem musikalischen Haushalt aufgewachsen. Das war aber Blasmusik, Volksmusik.
Das Gegenteil von dem, was Sie jetzt machen...
Die Idee, dass ich jetzt seit 31 Jahren tatsächlich mit der Aktion Mutante Konzerte organisiere, großteils in Arnoldstein, das eine oder andere Mal auch in Villach.
Die Idee war seine besoffene Geschichte, wie man so schön sagt: Dass wir einfach zwei Jugendliche, damals noch Jugendliche, unzufrieden waren mit dem kulturellen Angebot und gesagt haben: Wir machen eine Alternative.
Und für mich ist Musik tatsächlich auch ein Ausgleich, ein Ventil. Und ich habe mir nie dieses Genre- oder Scheuklappen-Denken angeeignet, sondern ich bin wirklich ganz breit im musikalischen Input, den ich mir gebe.
Ich suche auch aktiv nach Musik, das heißt, ich lasse mich nicht passiv berieseln, sondern schaue aktiv, was gibt es weltweit in der Musik.
Und wir sind ja in unserem Bereich, so in diesem europäischen Bereich, in einer bestimmten Musikstruktur. Wenn man zum Beispiel nach Asien schaut, nach Amerika, nach Afrika oder so, das sind ja ganz andere Strukturen in der Musik.
Und für mich, dass wir jetzt mit Aktion Mutante eine Band organisieren - großteil darf ich egoistisch die Musik aussuchen, aber wir sind schon ein bissl eine Demokratie - da muss mich die Musik bewegen.
Die Musik muss irgendwas mit mir machen und das kann klingen, wie es will. Das kann mit Instrumenten gemacht werden, wie es will, also gar nicht klassische Band-Instrumente, wie man sie so kennt, sondern das muss einfach bei mir funktionieren.
Und dann funktioniert das auch auf der Bühne. Und dann sehen wir immer wunder-, wundervolle Musiker aus der ganzen Welt, die da wundervolle Sachen machen und wo ich sage, das Publikum ist sehr überrascht immer.
Das Publikum ist leider oft wenig, aber die, die kommen, sagen, so was habe ich in Kärnten noch nie gesehen.
Das bestätigt mich oder uns in unserer Tätigkeit, dass wir genau dort weitermachen, wo wir es bis jetzt tun.
Frau Landesrätin, waren Sie schon einmal im Publikum von der Aktion Mutante?
Im Publikum noch nicht, aber ich habe einmal hineingehört: Das ist sehr kreativ und wild.
Also ich habe grundsätzlich einen Musikgeschmack: Wo ich nicht daheim bin, das sind Schlager, das ist einfach nicht meins.
Da muss eine gute Runde sein, da muss gute Laune sein, dann geht das auch, aber sonst ist das nicht meine Musikrichtung.
Ich meditiere täglich mit Musik, mit Frequenzen, aber meine Konzertkarriere sozusagen hat gestartet Anfang der 90er beim Monsters of Rock in München mit Metallica.
Und ich bin nach wie vor ein großer Fan von ACDC. Ich oute mich als ACDC-Fan. Aber es ist alles dabei.
Also ich mag sentimentale Musik nicht gern. Das macht mich traurig, das tut man nicht gut.
Da sind auch aktuelle Hits dabei. Je nach Stimmungslage, je nachdem, ob ich ein bissl runterkommen will oder ob ich mich pushen will.
Im Vorgespräch habe ich erfahren, dass Sie beide unabhängig voneinander täglich meditieren.
Wie das? Wie sind Sie dazu gekommen?
Das habe ich für mich einfach einmal gefunden und das hat gepasst. Also das hat gepasst, ich habe es probiert und es hat gepasst und es passt immer noch.
Und deshalb, wenn's geht, täglich, da muss man immer schauen, probiert man es einzubauen und das entspannt mich.
Und da habe ich eine eigene Musik, die ich da für mich gefunden habe, tatsächlich ist es wahrscheinlich auch weit weg von dem, was man sich unter Meditationsmusik vorstellt.
Aber das passt genau für mich.
Und bei Ihnen?
Bei mir war es tatsächlich ein Auslöser. Und zwar ist es mir sehr schlecht gegangen vor zwei Jahren, beim zehnten Sterbetag von unserem Sohn, da bin ich wirklich lange gesundheitlich sehr angeschlagen gewesen.
Und da hat mir in einem dieser Momente einfach eine Bekannte zu mir gesagt, die die Kraft im Meditieren gefunden hat.
Und seit mittlerweile über zwei Jahren meditiere ich täglich. Also es kommt wirklich ganz, ganz selten vor, dass ich das auslasse.
Das ist mein Morgenritual und mir tut es gut. Man startet entspannt in den Tag. Das ist wirklich eine gute Möglichkeit, Kraft zu sammeln, sich zu ordnen, die Gedanken zu ordnen und auch gefestigt zu werden, die Resilienz zu stärken.
Um jetzt langsam zum Abschluss zu kommen: Man hört jetzt: Meditation gibt einem Kraft und Stärke, auch Musik. Da kann man sich wieder austoben oder in die eigene Mitte zurückfinden.
Glauben Sie nicht, dass man genau diese Formen unterschätzt und das zu wenig unserer Jugend mitgibt, wie sie nämlich zum Ausgleich kommen könnte?
Fehlt das nicht in unserer Gesellschaft?
Ich glaube schon, dass die Jugend Möglichkeiten findet zum Ausgleich, also der Sport ist, ich glaube, bei der Jugend immer noch die Möglichkeit.
Was ja auch interessant ist: Die Jugend zum Beispiel trinkt mittlerweile wieder weniger Alkohol als wir, als wir getrunken haben.
Das ist auch so eine Art und Weise, wo man sehr auf den Körper schaut. Das war eine Auswirkung der digitalen Medien und oft kippt es aber, dass man zu viel auf den Körper schaut, dass man irgendwelche Body-Positiv-Sachen auf Instagram sieht, denen man dann unbedingt nacheifert, die aber dann gesundheitsschädigend sein können.
Aber natürlich: Wenn man jetzt wieder beim Thema digitale Medien ist, ist man als Eltern gefordert, dass man den Kindern Alternativen anbietet, analoge Alternativen, die in Konkurrenz treten können zu dem Tollen, was die Digitalisierung natürlich für Kinder anbietet.
Und diese ganze Technik ist ja genauso gestaltet, dass sie nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen fesseln.
Und da muss man schauen, schaffe ich es, analog Angebote anzubieten und an die Menschen zu bringen, dass sie davon wegkommen.
Und das ist vielleicht ein bisschen das Schwierige. Aber es gibt Angebote und ich möchte gar nicht sagen, dass die Jugendlichen nur digital unterwegs sind, sondern viele sind sportlich, musikalisch, kulturell unterwegs, das gibt es schon, das sehe ich schon auch.
Ich glaube, im Grunde genommen haben wir alle ein Anliegen - nämlich glückliche Kinder oder für unsere Kinder eine glückliche Zukunft zu schaffen und Ausgleichsangebote...
Fangen wir einfach an einmal Schritte zurückzugehen, vielleicht sind wir mutig, Schritte zurückzugehen.
Und das fängt ja ganz banal an. Und der schönste Ausgleich wäre für unsere Kinder, wieder in den Wald zu gehen, in die Natur zu gehen, wirklich die Handys wegzulassen, wieder über Baumstämme zu kraxeln.
Ganz banale Geschichten. Und das kostet nichts. Das ist kein Aufwand, das kann jeder machen.
Und ich glaube, man kann wirklich ganz unterschwellig ansetzen. Aber natürlich in der Folge Sportangebote, jegliche Freizeitangebote, eben vom Kindergarten angefangen, sind wichtig, um die Kinder gut zu begleiten.
Eine letzte Frage an beide, die alles umspannt, aber ich dennoch um eine ganz kurze Antwort bitte: Was wünschen Sie sich gerade jetzt so in Zeiten wie diesen am allermeisten für unsere Gesellschaft?
Das ist wirklich eine schwierige Frage. Ja, derzeit ist das, dass es vielleicht wieder ein bisschen zurück zur Basis geht, weil wenn alles so zerfranst ist, also gesellschaftlich: Also wir haben so viele Themen, die derzeit auf uns einprasseln, dass man da wieder fokussiert ist auf der Basis.
Dass es doch wichtig ist - es klingt blöd - doch der Mensch zählt. Dass man sagt: Okay, die Person ist wichtig, trotz der ganzen Digitalisierung.
Wichtig ist die Person. Schauen wir einmal, wie es der Person geht. Wenn es der Person gutgeht, wird der Rest wahrscheinlich auch mehr oder weniger funktionieren.
Also ich würde mir wünschen, dass die Menschen wieder ein bissl zufriedener werden. Dass sie sich wieder dessen bewusst sind, wie gut es uns in unserem Land geht.
Ich würde mir aber auch wünschen, dass die Menschen ein bisschen über den Tellerrand schauen, hinter große Überschriften und hinter laute Parolen blicken, weil lösen werden wir die ganzen Herausforderungen nur im Miteinander und niemals mit Hass, Hetze und Spaltung.
Dann danke ich Ihnen beiden sehr herzlich für das sehr offene Gespräch, für das intensive Gespräch.
Ich sage auch Danke bei unseren ZuhörerInnen, ZuseherInnen.
Bis zum nächsten Mal. Tschüss und auf Wiedersehen!
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