Der Mut zur Eigenwilligkeit | kärnten.unplugged
Shownotes
In der dritten Folge von Kärnten unplugged, dem Podcast des Landes Kärnten, lädt Gastgeberin Claudia Grabner zu einem (musikalischen) Doppelinterview mit Landesrat Peter Reichmann und Matakustix-Frontmann Matthias Ortner.
Im Podcast sprechen der Politiker Peter Reichmann und Musiker Matthias Ortner über:
• Musik und Politik – und was beide Bereiche voneinander lernen können • die Herausforderungen unseres Bildungssystems • oder den Mut, neue Wege zu beschreiten
Mathias Ortner gibt Einblick in sein Leben als ehemaliger Lehrer und heute vielbeschäftigter Musiker. Er spricht über die Botschaft seiner Musik, die Bedeutung seines Tattoos, die Angst in einem leeren Saals zu singen oder seine Karriere als Matrose bei der Wörthersee-Schifffahrt.
Landesrat Peter Reichmann erklärt warum wir zwei Jahre mehr Pflichtschule brauchen, kehrt seine musikalische Seite hervor, spricht über Gänsehautmomente in seiner jungen Ära in der Politiker und seine Zeit als Schiffsführer am Wörthersee.
Jetzt reinhören in die 3. Folge von Kärnten unplugged.
Transkript anzeigen
00:00:08: Hallo und herzlich willkommen zu "Kärnten unplugged", dem Podcast des Landes Kärnten.
00:00:14: Heute steht uns ein Gespräch bevor - unverfälscht, ehrlich, echt -
00:00:19: das vielleicht auch das eine oder andere Geheimnis lüften wird.
00:00:23: Dazu darf ich herzlich begrüßen: Landesrat und Bildungsreferent Peter Reichmann.
00:00:30: Vielen Dank für die Einladung und schönen guten Tag!
00:00:32: Und Matthias Ortner, Gründer, Kopf und Stimme der Band Matakustix.
00:00:40: Hallihallo, danke für die Einladung.
00:00:42: Mein Name ist Claudia Grabner. Ich leite die Kommunikation des Landes Kärnten.
00:00:47: Sie sind ja beide, wenn ich das jetzt so flapsig sagen darf,
00:00:52: junge, erfolgreiche, in der Öffentlichkeit stehende Männer.
00:00:56: Allerdings machen Sie Karriere nicht in Ihren Berufen -
00:01:02: Herr Landesrat, Sie sind Jurist und sind jetzt Bildungsreferent; Herr Ortner,
00:01:06: Sie sind Lehrer und jetzt als Musiker erfolgreich -, sondern eben in anderen Metiers.
00:01:13: Meine Frage ist: Muss man, um erfolgreich sein zu können,
00:01:18: den Mut haben, Neues und Ungewohntes zu wagen? Ist Erfolg nichts für Feiglinge?
00:01:28: Ja, absolut.
00:01:29: Ich kann von meiner Warte sprechen: Als ich damals meinen Eltern präsentiert habe,
00:01:33: ich will Rockstar werden, haben Sie einmal nicht so begeistert dreingeschaut, muss ich ehrlich sagen.
00:01:37: Und man muss absolut mutig sein.
00:01:40: Man muss, egal, was man macht im Leben, einfach seinen inneren Funken finden.
00:01:45: Und wenn man das gefunden hat, egal in welcher Richtung, dann glaube ich, hat man auch den Mut
00:01:50: und hat man auch die Leidenschaft, die es braucht, um gewisse Dinge durchzustehen.
00:01:55: Es ist, egal, was man macht, nicht immer lustig, nicht immer einfach.
00:02:00: Das ist so das berühmte Bild vom Eisberg, wo man nur die Spitze sieht
00:02:03: und das ganze darunter bleibt immer so im Hintergrund ein bisschen verborgen.
00:02:08: Aber um das trotzdem mitnehmen zu können, a den größeren Part
00:02:14: des Eisbergs, braucht es einfach diesen spark, diesen Funken.
00:02:18: Und den habe ich Gott sei Dank in meinem Leben schon recht früh gefunden in der Musik.
00:02:22: Und deswegen fällt es mir auch, glaube ich, leichter, gewisse Sachen wegzustecken bzw.
00:02:29: auch mutiger zu sein, wo andere sich vielleicht nicht so trauen würde, gewisse Entscheidungen zu treffen.
00:02:35: Und ich glaube, das ist eines der wichtigsten Sachen.
00:02:38: Aber das gilt nicht nur für die Musik, sondern das gilt auch generell.
00:02:41: Egal, was man im Leben macht.
00:02:44: Damit sind wir schon bei Ihnen: "Nicht
00:02:46: nur für die Musik, sondern egal, was man im Leben macht..." Wie mutig waren Sie?
00:02:51: Ich würde sagen: Es braucht Mut.
00:02:53: Und ich war ja nach meinem Studium bei der Arbeiterkammer Kärnten.
00:02:57: Mein Opi war im Bergbau tätig, der hat wahrscheinlich mehrere Zuschreibungen gefunden
00:03:02: als mutig, als ich die Arbeiterkammer verlassen habe.
00:03:05: Aber ich glaube, es braucht genau dieses Engagement, sich auch weiterentwickeln zu wollen.
00:03:11: Es braucht Menschen im Umfeld, die einem auch Mut machen,
00:03:16: die einem die Kraft geben, auch an sich selbst zu glauben und dann
00:03:20: Schritte im Leben zu wagen, wo man nicht im Vorhinein schon weiß, wie wird es genau.
00:03:26: Aber wo man weiß: Wenn man es mit Engagement, ehrlich und mit bestem Wissen und Gewissen macht, wird's gut.
00:03:34: Sie haben ja
00:03:35: tatsächlich zig Ausbildungen, das wäre eine ganze Liste:
00:03:40: Sie haben die Segelfluglizenz,
00:03:43: Privatpilotenschein, Kunstfluglizenz, Tauchprüfung, Jagdschein,
00:03:48: Konzessionsprüfung für das Binnenschifffahrtsgewerbe, Ausbildung zum Sanitäter und und und.
00:03:55: Kann es sein, dass Sie süchtig sind?
00:03:57: Süchtig nach Lernen und Weiterbildung?
00:04:00: Das kann ich wahrscheinlich nicht bestreiten.
00:04:04: Anders gesagt: Wenn mich etwas interessiert,
00:04:06: dann mache ich es mit Herzblut, dann möchte ich es gescheit machen
00:04:09: und bei mannigfaltigen Interessen, die in mir schlummern, noch immer.
00:04:14: Also ich habe auch noch Ziele, die ich in meinem Leben erreichen will
00:04:19: da ergeben sich dann mehrere Ausbildungen und Prüfungen.
00:04:24: Ich nehme an, dass Sie derzeit nicht die Zeit finden, gerade wieder
00:04:28: die nächste Ausbildung in Angriff zu nehmen.
00:04:30: Oder lernen Sie parallel schon wieder für etwas?
00:04:32: Im Moment ist es das Lernen in meinem Alltag, in meinem politischen
00:04:37: als durchaus Quereinsteiger, die Sache möglichst gut zu machen.
00:04:42: Aber dort oder da geistert die eine oder andere Idee durchaus herum.
00:04:47: Welche Idee?
00:04:49: Wenn ich in meinem Leben noch
00:04:50: etwas machen wollen würde, dann wäre es auf jeden Fall noch eine Dissertation.
00:04:56: Und dann wären noch die Themen Fallschirmspringen
00:05:02: und auch auf hoher See noch eine Ausbildung mehr.
00:05:06: Okay.
00:05:10: Nicht schlecht.
00:05:10: Hätten Sie sich als Lehrer mehr solcher lernfreudiger und lernwilliger Schülerinnen und Schüler gewünscht?
00:05:16: Ja. Da geht es, glaube ich, eh was ich vorher gesagt haben, da geht es einfach ums
00:05:24: Neugierde-Wecken.
00:05:25: Das ist ja beim Unterrichten sehr viel, wie soll ich sagen...
00:05:31: Ich war nur während Corona, nur ein Jahr, Lehrer.
00:05:36: Was ich halt immer versucht habe, war, in Schülern Interessen zu wecken.
00:05:41: Also es bringt mir jetzt nichts, wenn ein Schüler einen perfekten englischen Brief schreiben kann
00:05:45: es ist natürlich auch schön, wenn er es kann -,
00:05:47: aber es ist mir eher darum gegangen, ein Interesse für etwas zu entwickeln.
00:05:52: Denn wenn ich Interesse für etwas habe, wenn ich spüre,
00:05:56: das kann ich vielleicht noch einmal für etwas brauchen, das spüre ich in mir,
00:05:59: dann wird sich ein Mensch selber damit beschäftigen und immer weiter dem frönen und das verfolgen.
00:06:06: Deswegen glaube ich, dass das als Lehrer ganz wichtig ist.
00:06:10: Und auch in der Musik natürlich: Wenn man Menschen mit meiner Musik,
00:06:15: wenn ich da Interesse wecken kann, ah, das ist interessant, diese
00:06:20: Sichtweise, die ein Mensch auf ein gewisses Thema hat,
00:06:23: dann gehen ich dem näher nach und wie er über ein Thema singt.
00:06:28: Das ist ja etwas, was mich als Musiker, als Künstler sehr
00:06:33: vorantreibt, weil ich einfach meine Sichtweise auf die Dinge den Menschen präsentieren kann.
00:06:38: Und im besten Fall interessieren sich dann sehr viele dafür.
00:06:41: Weil Sie jetzt gesagt haben:
00:06:43: Es ist so wichtig, als Lehrer die Talente der Schüler zu entdecken und zu fördern:
00:06:48: Derzeit wird im Bildungssystem sehr viel über Kompetenzen gesprochen, sehr viel
00:06:53: über MINT-Fächer gesprochen - also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik.
00:06:58: Schrillen bei Ihnen nicht die Alarmglocken?
00:07:00: Glauben Sie nicht, dass diese kreativen Begabungen und überhaupt dieses Talentefördern zu kurz kommen?
00:07:08: Ich glaube, dass wir generell in
00:07:12: einer sehr bürokratischen Welt leben.
00:07:14: Nicht nur im Lehrberuf, sondern generell.
00:07:16: Ich glaube, das ist einfach ein bisschen der größte Feind, das ist ein bisschen Feind und
00:07:21: Freund.
00:07:21: Ich weiß schon, warum man gewisse bürokratische Sachen machen muss.
00:07:25: Ich bin einer, der kommt von der "try and error"-Methode.
00:07:27: Ich habe mir auch das Gitarrespielen selbst beigebracht:
00:07:31: Ich habe halt probiert und geschaut und bin dann zum Ziel gekommen.
00:07:35: Ich glaube, das ist ein bisschen was, was in der heutigen Zeit auch verloren
00:07:39: geht, dieses Sich-Ausprobieren, mit den Kindern Sachen ausprobieren
00:07:43: und das wird ein bisschen durch dieses ganze bürokratisch Vorgesetzte,
00:07:47: das in Mustern zu pressen Versuchte, meiner Meinung nach ausgelöscht.
00:07:55: Und da würde ich mir schon wünschen, dass es doch wieder ein bissl lockerer ginge.
00:08:01: Es ist natürlich auch an das gebunden, dass es Leute gibt, die mit dem umgehen können.
00:08:08: Und deswegen ist es ein zweischneidiges Schwert.
00:08:12: Herr Landesrat, welche Bedeutung hat für Sie die kulturelle Bildung,
00:08:17: das ist auch die Allgemeinbildung, um jungen Menschen
00:08:22: Rüstzeug mitzugeben für eine Welt, die immer komplexer und vielschichtiger wird? Eine
00:08:28: ganz große Bedeutung.
00:08:30: Und ich möchte da vorausschicken: Wir reden ja öfter von Praktikern und Theoretikern.
00:08:35: Für mich ist das etwas, was in Verbindung steht.
00:08:38: Ich kann in der Praxis nur arbeiten, wenn ich theoretisches Wissen habe.
00:08:42: Und wenn wir von der kulturellen Bildung sprechen, dann sprechen wir von viel mehr:
00:08:46: Dann sprechen wir von Persönlichkeitsbildung, dann sprechen wir genau von dem Talente-Entdecken.
00:08:52: Aber dann sprechen wir auch davon, dass wir junge Menschen haben,
00:08:55: die mit unserer Demokratie gut umgehen können und diese auch leben können.
00:09:01: Und wenn wir dann nur mehr auf schnelllebige Kompetenz gehen und auf diesen Schatz dahinter vergessen,
00:09:09: dann wird meiner Meinung nach die Bildung in eine falsche Richtung gehen.
00:09:15: Und deswegen ist es jetzt an der Zeit zu sagen, es ist von unschätzbarem Wert,
00:09:20: dass wir auf der einen Seite das Wissen erwerben, unsere Talente fördern
00:09:27: und dann daraus die Kompetenzen ableiten, die für ein gutes Leben notwendig sind.
00:09:33: Wenn Sie in Ihre Schulzeit zurückdenken:
00:09:36: Haben Sie sich damals schon eine Änderung im Schulsystem, im Bildungssystem gewünscht
00:09:40: oder sagen Sie: Das war damals absolut in Ordnung, die Bildung, die ich mitbekommen habe?
00:09:45: Ich habe ein großés Glück gehabt, tatsächlich, dass Sie wunderbare Pädagoginnen
00:09:50: und Pädagogen in meiner Schulzeit gehabt habevon der Vorschule und Elementarpädagogik
00:09:55: angefangen bis dann zur Matura und auf der Universität dann später auch.
00:10:01: Ich als Peter Reichmann hätte mir gewünscht, dass der eine oder andere Schultag ein wenig später beginnt,
00:10:06: weil die erste Stunde schon eine war,
00:10:09: wo es zwar ein wunderbarer Tag war, aber mit leichter Müdigkeit verbunden.
00:10:13: Und auf der anderen Seiten hätte ich mir gewünscht, dass ich mir mein Lernen
00:10:21: ein wenig selbstständiger einteilen kann.
00:10:25: Tatsächlich läuft in der
00:10:26: Schweiz gerade ein Pilotprojekt zum Thema früherer Schulstart
00:10:31: und die ersten Zwischenergebnisse sind extrem erstaunlich, nämlich erstaunlich positiv.
00:10:39: Also es heißt, die Leistungen sind wesentlich besser.
00:10:43: Könnten Sie sich als Bildungsreferent vorstellen, Kärnten
00:10:49: zu einer derartigen Modellregion zu machen?
00:10:53: Ich bin ein großer Fan von dem, was der Matthias vorher gesagt hat, nämlich "try and error".
00:10:58: Ich glaube, wenn viel dafür spricht, dass man Verbesserungen erreichen kann
00:11:03: dadurch, dass man sich einlässt auf einen Versuch, dann kann man nur gewinnen.
00:11:09: Das heißt, wenn die Erkenntnisse da sind, dass das System gut funktioniert
00:11:13: und wenn es dem Lernen unserer Jüngsten guttut, dann sollte man es versuchen.
00:11:20: Sehr interessant...
00:11:22: Sie haben gesagt, Sie haben wirklich das Glück gehabt, gute, engagierte Lehrer zu haben.
00:11:28: Wie war es denn bei Ihnen?
00:11:29: Hätten Sie sich damals etwas anderes gewünscht von Ihren Lehrern?
00:11:34: Rückblickend kann ich auch sagen: Ich habe eine sehr schöne Schulzeit gehabt
00:11:38: von der Volksschule bis hin zur Matura und in der weiteren Ausbildung.
00:11:42: Also ich kann mich da nicht beklagen.
00:11:44: Ich hoffe, die Lehrer sprechen umgekehrt auch so von mir.
00:11:48: Ich war nämlich ein sehr quirliges Männchen in der Schule.
00:11:52: Ich war nicht immer der Bravste und auch nicht immer der Beste in der Schule.
00:11:58: Aber das zeigt mir - und das möchte ich auch weitergeben - es kommt nicht
00:12:06: immer auf die Noten an,
00:12:07: sondern darauf, wie man mit gewissen Themen umgeht.
00:12:12: Und das würde ich mir auch wünschen: ein bisschen
00:12:15: weniger kategorisiert zu denken, sondern eher ein bisserl lebensfreundlicher.
00:12:21: Was kann man später im Leben einmal brauchen.
00:12:27: Ich habe den Vergleich so von meiner Klasse: Die Leute - bitte um Entschuldigung - also die Leute,
00:12:32: die alles Einser gehabt haben, haben sich dann später im Leben immer schwerer getan
00:12:37: als Leute,
00:12:38: die vielleicht nicht immer alles Einser gehabt aben, aber die vielleicht schon mit Enttäuschungen umgehen
00:12:42: gelernt haben.
00:12:43: Wenn vielleicht einmal der eine oder andere Fünfer dabei war.
00:12:45: Die haben sich im Leben irgendwo dann leichter getan.
00:12:47: Und war eine Feldstudie, die ich selbst durchgeführt habe.
00:12:52: Wie sind Sie überhaupt zur Musik gekommen?
00:12:56: War Musik etwas, wo Sie gesagt haben, da kann ich mich austoben
00:13:00: oder das Gegenteil, da kann ich mich zurückziehen?
00:13:03: Oder was war Musik für Sie?
00:13:06: Musik habe ich
00:13:06: immer schon gemacht: Ich habe Kinder-Videos, die ich gerade erst vor kurzem wieder entdeckt habe,
00:13:09: von mir unterm Christbaum mit vier, fünf Jahren, wo ich die erste Gitarre bekommen habe.
00:13:14: Ich weiß aber nicht, woher das kommt, das habe ich immer schon in mir gehabt.
00:13:16: Ich habe immer schon auf irgendwelchen Töpfe herumgetrommelt.
00:13:19: Ich habe es dann zwischenzeitlich verloren.
00:13:20: Ein bisschen, weil ich sehr in den Sport gangen bin,
00:13:25: auch weil mein Vater sportlich engagiert war und mich da auch sehr inspiriert hat natürlich.
00:13:29: Und irgendwann zum späteren Zeitpunkt habe ich diese Leidenschaft der Musik wieder entdeckt
00:13:34: und habe dann zurück zur Musik gefunden.
00:13:38: Und das ist genau dieser Funke, den ich vorher angesprochen habe.
00:13:41: Ich hatte das Privileg, diesen Funken sehr früh in meinem Leben zu entdecken
00:13:46: und dem auch nachgehen zu können.
00:13:48: Ich bin ja auch sehr dankbar dafür, weil meine Eltern haben mich auch unterstützt.
00:13:52: Das ist ja auch nicht immer der Fall, dass,
00:13:55: wenn man gerne etwas machen möchte, dass man das dann auch ausüben kann.
00:13:59: Und ja, ich bin sehr dankbar dafür, dass ich das jetzt seit über 25 Jahren so machen kann.
00:14:07: Schreiben Sie die Songs selbst oder lassen Sie schreiben?
00:14:11: Nein, nein, das ist mir immer sehr wichtig, das selbst zu machen.
00:14:16: Mittlerweile hole ich mir schon immer wieder Hilfe.
00:14:19: Aber nicht aus dem Grund, weil ich es nicht selber kann, sondern einfach, weil
00:14:23: ich gern mit Menschen zusammenarbeite, die eine ähnliche Sichtweise auf Themen haben
00:14:27: und wo man dann sagt: Hey, lass uns mal treffen, denn Musik ist ja trotzdem auch ein Miteinander.
00:14:32: Ich habe jahrelang alleine im Keller Musik gemacht und das war mir dann zwischenzeitlich doch
00:14:36: ein bisschen zu fad.
00:14:37: Und jetzt gehe ich wieder gern raus und treffe mich da mit Leuten, um Musik zu machen und zu schreiben.
00:14:42: Herr Landesrat, wie steht es denn um Ihre musische Begabung?
00:14:47: Ich hoffe gut.
00:14:48: Oder zumindest ich kann es so erzählen:
00:14:50: Nach der musikalischen Früherziehung wollte meine Mama, dass ich Cello lernen.
00:14:55: Ich wollte Schlagzeug lernen.
00:14:56: Wir haben uns dann auf den Kompromiss Trompete geeinigt.
00:14:59: Und ich habe dieses Instrument wirklich sehr, sehr gern gespielt.
00:15:03: Ich bin aber da durchaus dabei, dass ich sage: Das Musizieren
00:15:08: in der Gruppe hat besonders viel Spaß gemacht und so habe ich Glück gehabt, dass
00:15:13: mein Musikschullehrer - danke, Hansi Burgstaller, an dieser Stelle!
00:15:16: das sehr gefördert hat.
00:15:18: Wir haben im Quartett musiziert, da haben wir Wettbewerbe wie Prima la Musica gespielt,
00:15:22: ich habe auch in der Stadtkapelle musiziert und kann mit großer Freude an diese Zeit zurückdenken.
00:15:30: Das heißt, Sie könnten einmal einspringen als Trompeter bei Matakustix, wenn einmal Not am Mann ist?
00:15:36: Mir ist mein also.
00:15:38: Wieder eine Seite, die nicht bekannt war.
00:15:41: Geht der Ansatz noch? Ich werde üben...
00:15:46: Also bekannt ist ja, dass Sie privat alles lieben, was schnell ist.
00:15:51: Wir haben es ja schon früher gehört von Booten über Flugzeuge etc.
00:15:57: Jetzt sind Sie aber eher ein ansonsten ruhiger, sehr besonnener Charakter.
00:16:02: Wie passt das zusammen - auf der einen Seite die Geschwindigkeit und auf der anderen Seite die Ruhe?
00:16:08: Ich glaube, es passt hervorragend zusammen, weil je schneller etwas wird,
00:16:13: desto weniger Emotion und desto mehr Ruhe braucht es, um das dann auch zu beherrschen.
00:16:19: Das heißt, Geschwindigkeit und Ruhe ist nichts, was sich gegenseitig ausgrenzt.
00:16:25: Also das heißt, das brauchen Sie, um in die Mitte zu kommen, in die Balance.
00:16:29: Genau.
00:16:32: Sie scheinen eigentlich der gegenteilige Charakter zu sein: sehr extrovertiert, emotional.
00:16:39: Das bringt wahrscheinlich auch ein Musikerleben mit sich.
00:16:43: Oder täuscht oder Eindruck? Sind Sie eigentlich der Sensible, Ruhige?
00:16:47: Privat zu Hause bin ich
00:16:50: schon eher ruhig, muss ich tatsächlich sagen.
00:16:52: Also das ist aber auch dem geschuldet, weil ich einfach sehr viel unterwegs bin, und mein Leben
00:16:59: schon sehr stressig ist und ich sehr viel unter Menschen bin.
00:17:03: Und man erwartet eigentlich immer von einem "Hey, mach Party!
00:17:07: Mach gute Stimmung, mach noch gute Laune, unterhalte uns!" Und deswegen brauche ich da schon
00:17:13: immer wieder meine Rückzugsorte und bin auch privat sehr
00:17:17: froh, wenn ich Ruhe habe und
00:17:22: ich würde mich schon eher als ruhigen Charakter einschätzen lassen. Ja.
00:17:26: Dass wir jetzt konkret auf ihre Musik zu reden kommen: Matakustix
00:17:30: bedeutet ja viel Bodenständiges, Traditionelles.
00:17:35: Sie singen auch im Kärntner Dialekt.
00:17:37: Haben Sie sich mit dem Kärntner Dialekt nicht die Grenzen sehr eng gesteckt? Ja!
00:17:44: Gerade in Zeiten von Spotify merkt man das natürlich absolut. Es
00:17:48: geht ja jetzt in der Musik alles um Playlisten.
00:17:52: Also auf welche Playlist kommt man?
00:17:53: Und auf je mehr Playlisten man ist, also auf Abspiellisten
00:17:58: sozusagen, desto mehr Hörer hat man im Monat.
00:18:00: Jetzt ist natürlich bei uns im Kärntner Dialekt das Problem, dass es nicht sehr viele Playlisten
00:18:04: gibt, die im Kärntner Dialekt bzw generell im österreichischen Dialekt ist.
00:18:08: Da gibt es genau eine oder zwei und ein paar Private.
00:18:12: Und deswegen haben wir uns da natürlich schon bisschen einen Stein in den Weg gelegt bzw.
00:18:17: ich mir selber.
00:18:18: Ich bin aber der Meinung, dass ist dort, wo ich herkommen..
00:18:25: gab es immer wieder in meiner Karriere Diskussionen: Sing auf Hochdeutsch!
00:18:29: Das gab es schon von Anfang an, wo ich auf Englisch gesungen habe.
00:18:31: Da hat es geheißen: Sing auf Deutsch.
00:18:32: Dann habe ich im Dialekt gesungen.
00:18:36: Ich grenzt es gar nicht so aus.
00:18:38: Ich habe immer wieder auch Lieder drinnen, wo ich etwas auf Hochdeutsch probiere,
00:18:41: weil ich einfach finde, das passt jetzt irgendwie besser zur Thematik.
00:18:45: Aber generell
00:18:48: meine
00:18:48: Gefühle, meine Themen kann ich einfach viel besser im Dialekt ausdrücken und man hört eh,
00:18:53: ich rede im Dialekt und da würde Hochdeutsch nicht funktionieren und irgendwie komisch klingen.
00:18:58: Und deswegen bin ich da einfach dabei geblieben und habe mir gar nicht so viele Gedanken gemacht,
00:19:03: wem könnte das gefallen oder nicht.
00:19:05: Ich habe einfach das gemacht, was mir gefällt.
00:19:09: Apropos Grenzen: Wenn Sie, Herr Landesrat,
00:19:12: die Möglichkeit hätten, ungeachtet jeglicher Grenzen gesetzlicher Natur, bürokratischer Natur
00:19:20: im Bildungssystem etwas zu ändern, was wäre das?
00:19:25: Zwei Jahre mehr Pflichtschule!
00:19:27: Mit der Begründung: Unsere Welt wird komplizierter.
00:19:31: Wir haben vorhin darüber gesprochen, dass es kulturelle Bildung braucht,
00:19:35: das Entdecken von Talenten und das Erwerben von Kompetenzen und der Druck
00:19:40: auf unsere jungen Menschen wird immer größer.
00:19:43: Es gibt immer mehr Herausforderungen, es gibt immer mehr, was man wissen sollte, was man können muss.
00:19:50: Wir haben eine höhere Lebenserwartung, alles verändert sich.
00:19:54: Und da sehe ich nicht ein, dass im Bildungssystem alles gleich bleiben soll.
00:19:57: Wenn Sie jetzt sagen, zwei Jahre mehr Pflichtschule: Würde dann auf der anderen Seite etwas wegfallen?
00:20:04: Oder würde sich wirklich die gesamte Ausbildungszeit um diese zwei Jahre verlängern?
00:20:09: Für mich verlängert sie sich.
00:20:13: Wie viel Matakustix-Spirit, das heißt der Mut zur Eigenwilligkeit,
00:20:17: würde der Bildungspolitik gut tun?
00:20:23: Viel.
00:20:23: Ich möchte aber für mich selber anschließen: Wenn wir vorhin darüber geredet haben, im Dialekt zu bleiben,
00:20:31: sich durchaus einzugrenzen, und das dann mit einer Ehrlichkeit und Offenheit zu machen,
00:20:36: dann ist es das, was auch die Politik machen soll und muss.
00:20:41: Es geht nicht darum, allen alles recht zu machen.
00:20:43: Dafür haben wir dann auch eine Demokratie, dass gewisse Haltungen auch im Wählerinnen-
00:20:49: und Wählerverhalten eine Zustimmung bekommt oder nicht, sondern es geht darum,
00:20:53: dass man seine eigenen Werte einbringt, vertritt und mit seiner eigenen Haltung
00:21:01: versucht, das Beste für die Gesellschaft zu erreichen.
00:21:04: Und dann auch noch darauf gesetzt, diese Ehrlichkeit und Eigenständigkeit
00:21:09: in der Diskussion beweist, um dann gemeinsame Konsensfindung möglich zu machen.
00:21:18: Um zu Ihnen zu kommen, Matthias:
00:21:20: Soll Ihre Musik auch eine Botschaft vermitteln oder steht die Musik einfach für sich?
00:21:26: Absolut.
00:21:26: Also ich bin
00:21:29: immer der Meinung, dass Musik - es gibt natürlich Musik ohne Inhalt auch
00:21:32: und das funktioniert auch - aber für mich gibt es nur zwei Arten von Musik:
00:21:37: Es gibt gute und schlechte oder gute und eine solch, die mir nicht so gut gefällt.
00:21:41: Ich bin heute auch ein großer Fan von Musik, die etwas vermittelt.
00:21:44: Und wenn das was Positives ist, ist es umso schöner.
00:21:49: Es gibt natürlich auch Musik, die jetzt
00:21:51: nicht wirklich einen Tiefgang hat und eher zum Abschalten und Mittanzen einladet.
00:21:57: Aber ich glaube, es hat beides seine Daseinsberechtigung und es
00:22:01: erfüllt beides seinen Zweck.
00:22:03: Aber welche Botschaft wollen Sie mit Ihrer Matakustix-Musik Ihren Fans mitgeben?
00:22:11: Welche Botschaft will ich meinen Fans mitgeben?
00:22:12: Eine sehr gute Frage.
00:22:14: Ich glaube einfach,
00:22:17: diesen Mut zur Ehrlichkeit zu haben - gerade in Zeiten von KI,
00:22:22: wo jeder schon zu Hause am Handy selbst ein Lied kreieren kann -
00:22:28: glaube ich einfach, dass es immer wichtiger wird, eigenständiger zu werden.
00:22:33: Und ich glaube auch, dass, wenn man was zu sagen hat
00:22:36: und wenn man gute Botschaft rüberbringt, dass das bei den Leuten auch ankommt
00:22:42: und dass die Leute dann sehr wohl merken: "Aha, meint das ernst, er hat wirklich was zu sagen".
00:22:46: Das kann dann auch einmal ein Lied
00:22:48: sein, das vielleicht gar nicht so in die Tiefe geht, aber trotzdem eine gewisse Schwingungen hat.
00:22:53: Die Leute draußen merken das einfach,
00:22:57: der meint es ernst und das hat einen gewissen Tiefgang.
00:23:00: Auch wenn jetzt vielleicht der Text nicht so tiefsinnig ist.
00:23:03: Und welche Botschaften wollen Sie als Politiker vermitteln?
00:23:08: Bzw. welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem politischen Tun?
00:23:12: Die Botschaft ist klar: Halten wir zusammen.
00:23:15: Machen wir gemeinsam das Beste für unsere Zukunft.
00:23:19: Und was meine ich mit halten wir zusammen?
00:23:21: Ich meine damit: Es lohnt sich, hin und wieder zu diskutieren.
00:23:26: Es lohnt sich, eigene Meinungen zu haben, diese Eigenständigkeit zu haben.
00:23:30: Es lohnt sich, für eine Sache, für die man brennt, auch einzustehen.
00:23:35: Und das Vertrauen soll bewirken, dass man sagt, man greift nicht zum Handy,
00:23:41: um dem anderen zu beweisen, dass man selber der beste Experte in
00:23:46: weiß Gott was ist, sondern das Vertrauen in Menschen, die Qualifikationen mitbringen, die Talente einsetzen
00:23:53: und einen wertvollen Teil zur Gesellschaft beitragen und wir das gegenseitig schätzen und anerkennen.
00:24:01: Matthias, Sie feiern
00:24:03: mit Ihrer Band heuer Zehn-Jahr-Jubiläum der Matakustix-Show.
00:24:09: Was war bisher der berührendste oder skurrilste Moment in diesen zehn Jahren?
00:24:14: Genau.
00:24:15: Man darf das nicht verwechseln: Die Band gibt es ja schon deutlich länger.
00:24:18: Und ich mache ja auch schon deutlich länger Musik.
00:24:20: Aber die Idee dieser Veranstaltung der matakustix-Show gibt es dieses Jahr das zehnte Mal.
00:24:25: Danach mache ich auch definitiv einmal eine Pause.
00:24:27: Der interessanteste Moment:
00:24:33: Wir hatten einmal einen Flitzer auf der Bühne vor ein paar Jahren.
00:24:36: Das war definitiv ein interessanter Moment.
00:24:39: Das erlebt man nicht jeden Tag.
00:24:41: Aber es war alles dabei: von emotionalen Momenten, weil Menschen weinen, lachen, mittanzen
00:24:48: und alle möglichen Sachen.
00:24:50: Das ist aber auch das Schöne. Und von dem komme ich hier auch her.
00:24:53: Musik passiert immer in der Stille.
00:24:55: Ich schreibe Musik immer bei mir zu Hause im Zimmer.
00:24:58: Und wenn es dann rausgeht in die weite Welt und wenn man sieht,
00:25:00: wie Menschen mittanzen und mitfeiern und mitsingen, bewirkt das in mir immer so viel,
00:25:05: dass ich mir jedes Mal denke: Mah, ich bin einfach sehr demütig und dankbar, dass ich das machen darf.
00:25:10: Und dass offensichtlich auch die Fähigkeit da ist, das in Menschen zu bewirken.
00:25:16: Und da gibt es dann, wie gesagt, keinen einzelnen Moment, der wirklich heraussticht, sondern viele,
00:25:22: die da wirklich sehr besonders waren.
00:25:25: Herr Landesrat, Sie sind ja erst im ersten Jahr Ihrer politischen Laufbahn.
00:25:29: Aber ich gehe davon aus, dass es auch da schon Momente gegeben hat mit Gänsehautfaktor.
00:25:35: Können Sie uns eine Geschichte preisgeben?
00:25:39: Vielleicht auch ein Flitzer?
00:25:41: Nein.
00:25:43: In der Regierung oder im Landtag ist uns das noch nicht passiert.
00:25:45: Aber wer weiß, was noch kommt.
00:25:48: Auch jetzt, obwohl es erst ein wenig mehr als fünf Monate sind,
00:25:51: hat es schon viele zahlreiche schöne und berührende Momente gegeben.
00:25:56: Für mich persönlich waren es Momente wie die erste Abstimmung von einer Änderung
00:26:02: im Kärntner Schulgesetz, was ich dem Landtag dann vorgelegt habe und die Entscheidung gefallen ist.
00:26:09: Aber auch Schuleröffnungen bzw.
00:26:12: auch einfach Schulbesuche, wo man vor Ort sieht, was da alles passiert.
00:26:16: Und das sind nicht nur Schulen, sondern auch in der Elementarpädagogik, in Kindergärten, wo man
00:26:23: so schnell diese Emotion, dieses Engagement und diese Energie sieht.
00:26:28: Und das lässt dann natürlich wachsen, weil mit der Verantwortung als Politiker
00:26:33: hat man ja auch die Verantwortung, dass dann auch Ressourcen gut eingesetzt werden
00:26:40: und dass diese Ressourcen
00:26:44: unseren jungen Talenten am besten gerecht werden.
00:26:48: Sie haben, als Sie in die Politik eingestiegen sind, auf die Frage,
00:26:54: was Ihre Stärke sei, geantwortet: Ich lese das vor: "Meine Stärke ist,
00:26:59: auch in unübersichtlichen und emotionalen Situationen kühlen
00:27:04: Kopf zu bewahren - in fast stoischer Ruhe."
00:27:08: Hat Sie jetzt der politische Alltag eingeholt?
00:27:11: Haben Sie schon einmal Ihre stoische Ruhe verloren?
00:27:16: Nein.
00:27:17: Dann Sie sind sehr gefestigt.
00:27:20: Oder hat es da einfach keinen wirklichen Grund gegeben?
00:27:25: Ich glaube, dass Entscheidungen dann am besten getroffen werden, wenn sie unemotional diskutiert
00:27:31: sind.
00:27:31: Nur dann können wir objektiv gemeinsam das Beste erreichen.
00:27:35: Und für mich ist es ein klares Nein, wenn es um die Sache geht.
00:27:40: Wobei ich natürlich nicht die Antworten von anderen Personen,
00:27:45: die eventuell das anders beurteilen könnten, vorwegnehmen muss.
00:27:48: Das heißt, wir werden dann einmal eine Umfrage machen in Ihrem Büro... Auf jeden Fall.
00:27:55: Matthias, als
00:27:56: Musiker muss man ja, wie wir schon früher besprochen haben, wirklich aus sich herausgehen.
00:28:01: Also mit stoischer Ruhe würde man da nicht sehr weit kommen.
00:28:05: Daher die umgekehrte Frage: Wo finden Sie
00:28:10: abseits der Bühne wieder in Ihre Mitte und zur Ruhe?
00:28:14: Das macht auch nur den Anschein.
00:28:16: Das darf man bitte nicht verwechseln.
00:28:18: Man sieht, was schon auf der Bühne ist zum zum Energie und zum Gasgeben.
00:28:23: Aber wenn man da eine gewisse Ruhe nicht hat, ist man fehleranfälliger.
00:28:28: Und das ist sehr wohl so, dass man
00:28:32: auch auf einer stürmischen Bühne Ruhe braucht, um Konzentration
00:28:36: und seine innere Mitte so zu finden, dass man eine gute Performance leisten kann.
00:28:42: Und diese Ruhe - das klingt jetzt vielleicht kitschig - ist tatsächlich so, dass
00:28:50: ich die aus dem nehme, wo ich herkomme, aus Kärnten.
00:28:55: Weil ich einfach sehr gerne da wohnt.
00:28:57: Ich bin sehr gerne in der Natur, in den Bergen, an den Seen.
00:29:00: Und ich habe schon oft die Chance gehabt, woanders zu wohnen
00:29:05: oder hätte vielleicht auch woanders hingehen sollen beruflich.
00:29:09: Aber da habe ich immer gesagt: Ich fahre lieber zum Arbeiten in die Stadt als zum Urlaub nach Kärnten.
00:29:12: Deswegen bin ich immer da geblieben und da ist auch mein Ruhepol.
00:29:18: Herr Landesrat, Sie eilen jetzt auch seit fünf Monaten von Termin zu Termin.
00:29:23: Wie gehen Sie mit Stress um?
00:29:26: Wie oder wo holen Sie wieder Energie?
00:29:32: Die beste Art und Weise, Stress zu vermeiden,
00:29:35: ist tatsächlich, dass man einen strukturierten Tagesablauf hat.
00:29:40: Und ich kann an der Stelle nur ein Dankeschön an mein Team
00:29:43: sagen, das mir diesen strukturellen Tagesablauf auch garantiert.
00:29:49: Es sind viele Termine,
00:29:51: es ist oft stressig, es ist aber nicht der negative, sondern der positive Stress.
00:29:56: Es sind schöne Termine und sowohl auf Büroebene als auch
00:30:01: dann vor Ort Bei Veranstaltungen, die immer wieder Optimismus lostreten in mir.
00:30:09: Aber ich gehe davon aus - ich weiß nicht, ob ich richtig oder falsch
00:30:13: liege - dass Sie nicht mehr dazukommen,
00:30:15: Ihren ganzen Hobbies, die wir schon am Anfang besprochen haben, nachzugehen.
00:30:20: Oder können Sie sich dann und wann die Zeit nehmen?
00:30:24: Ich gebe zu, das ist im Moment sehr, sehr schwer.
00:30:26: Aber ich versuche schon, die eine oder andere Lücke
00:30:30: in meinem Terminkalender zu finden und da dann Hobby-Aktivität hineinzupacken.
00:30:35: Jetzt möchte ich noch einmal zurückkommen
00:30:37: auf Ihre Zeit, lange bevor Sie in die Politik gegangen sind, nämlich:
00:30:42: Sie waren vier Jahre in der Sommersaison von 2013
00:30:46: bis 2016 als Schiffsführer am Wörthersee unterwegs.
00:30:51: Wie kann man das verstehen?
00:30:52: Waren Sie Kapitän?
00:30:54: Genau, in einem Motorboot-Unternehmen.
00:30:57: Mittlerweile bin ich mit dem Chef sehr, sehr gut befreundet.
00:31:00: Und wir haben Rundfahrten angeboten, mit einem Motorboot.
00:31:06: Wir haben Wasserski angeboten, Reifenfahren angeboten, Banane angeboten,
00:31:12: Transferfahrten angeboten.
00:31:14: Und das ist eine Zeit, auf die ich sehr, sehr gerne zurückdenke.
00:31:17: Gibt es da auch die eine oder andere lustige, skurrile Geschichte?
00:31:22: Durchaus.
00:31:23: Also das fängt an beim GTI-Treffen, wo ein Gast über den Steg eingestiegen ist
00:31:30: und dann gleich weitergehen wollte und ich ihn dann abgehalten habe, in den See zu fallen
00:31:35: mitten in der Nacht geht.
00:31:36: Aber auch in Rundfahrten, wo man dann mit einer Touristengruppe die Möglichkeit
00:31:43: gehabt haben, so gut ins Gespräch zu kommen, dass die Rundfahrt dann viel länger gedauert hat.
00:31:48: Und das war für mich eine wirklich in Erinnerung bleibende Rundfahrt.
00:31:53: Bis hin natürlich zur Neugier von Gästen: Wo wohnt wer am See?
00:31:59: Wie schaut es dann aus?
00:32:01: Das war einfach herrlich.
00:32:04: Matthias, gibt es auch bei Ihnen
00:32:06: einen Ferialjob oder waren Sie in einer Funktion,
00:32:10: die Sie geprägt hat, weil irgendetwas Interessantes passiert ist?
00:32:15: Tatsächlich habe ich so gut wie alles einmal ausprobiert.
00:32:17: Und ich war da nicht weit weg, weil ich habe nämlich nach dem Bundesheer
00:32:20: ein halbes Jahr als Matrose gearbeitet bei der Wörthersee-Schifffahrt.
00:32:23: Das war einer der schönsten Ferienjob, die ich gemacht habe.
00:32:27: Wirklich.
00:32:27: Die erste Fahrt, da kann ihc mich gut erinnern, da war es auf den Booten von Klagenfurt nach Velden
00:32:32: um 6.30 Uhr oder 7 Uhr in der Früh immer sehr mystisch und sehr schön.
00:32:37: Ich habe auch einmal beim Spar gearbeitet,
00:32:42: im UKH im Büro, ich habe auch als Kabelträger gearbeitet bei Bands.
00:32:48: Ihc habe wirklich um 4:00 in der Früh noch deren Auftritt die ganzen Kabel aus dem Gatsch gezogen.
00:32:54: Ich glaube, das kommt einem dann später auch zugute, wenn man einfach weiß, wenn man noch dankbar ist,
00:33:01: dass man auf der Bühne stehen darf, dass man zu jedem freundlich ist,
00:33:05: dass jeder Techniker einen guten Job machen muss und dass man das auch nicht vergessen darf.
00:33:10: Also man sieht ja wirklich, Sie sind beide so mit Leidenschaft bei der Sache
00:33:15: und Sie haben schon so viel ausprobiert und Sie haben sich immer weiterentwickelt und Sie
00:33:20: stehen beide dafür, dass man sehr viel erreichen kann im Leben, wenn man nur will.
00:33:27: Können und wollen Sie unseren ZuhörerInnen und ZuseherInnen
00:33:31: vielleicht einen Ratschlag geben, einen Tipp geben?
00:33:36: Auf jeden Fall
00:33:37: den Mut zu haben und an sich zu glauben, dass, wenn man das Gefühl hat,
00:33:42: ich muss das probieren, weil mein Herz brennt dafür, dann das auch durchzuziehen.
00:33:50: Ich kann mich dem nur anschließen und vielleicht noch ergänzend zu sagen,
00:33:53: auch nicht zu viel Angst zu haben. Weil Mut geht ja immer einher auch mit der Angst.
00:33:57: Ich nehme mich auch selbst immer bei der Nase: Als Musiker bin ich ja auch selbstständig.
00:34:03: Man hat permanent mit Existenzängsten zu kämpfen, egal, wie hoch man kommt und man denkt immer,
00:34:08: wie soll ich das noch schaffen?
00:34:10: Ich glaube, das ist auch ein bisserl so in unserer Gesellschaft drinnen.
00:34:14: Deswegen habe ich mir das auch tätowiert: JETZT.
00:34:17: Der jetzige Moment ist der einzige, den wir haben.
00:34:19: Einfach nicht so viel Angst
00:34:20: haben, im Moment sein und den Mut zu haben, auch einmal neue Sachen auszuprobieren.
00:34:25: Genau auf dieses Tatoo wollte ich Sie bei der nächsten Frage ansprechen.
00:34:28: Das hätten wir damit erledigt: Also im Jetzt und im Hier zu sein
00:34:33: und alles wirklich zu 100 % zu machen und zu genießen.
00:34:37: Also es gibt nur den Moment, wir können nur jetzt steuern, was
00:34:42: ist, welche Emotionen wir haben, Diskussionen, welche Entscheidungen wir treffen.
00:34:46: Und ich bin einfach auch immer wieder über den Stein gestolpert, zu viel Angst zu haben
00:34:54: und mir vielleicht irgendetwas auszumalen, was dann gar nicht so schlimm eingetroffen ist.
00:34:59: Sei es jetzt vor Riesenveranstaltung: Ich kann mich erinnern - die erste Matakustix-Show:
00:35:03: Wir haben zum damaligen Zeitpunkt zweimal im Klagenfurter Stereo gespielt, 800 Leute.
00:35:07: Und in die Messehalle passen 2000 Leute hinein.
00:35:09: Ich habe fast ein ganzes Jahr nicht geschlafen, weil ich die Angst gehabt habe, um Gottes Willen, kommen da
00:35:14: wohl 2000 Leute? Weil sonst schaut das nicht gut aus.
00:35:16: Und einfach einmal zu sagen: Was ist, wenn es doch klappt?
00:35:23: Angst kennen Sie offensichtlich nicht?
00:35:26: Ich würde nicht sagen, dass ich Angst nicht kenne.
00:35:30: Ich würde sagen, dass ich lieber den Mut zur Lücke habe
00:35:35: und mir hin und wieder eingestehe, dass ein Fehler voll okay ist und dazugehört.
00:35:40: Wir haben vorher geredet über "try and error".
00:35:42: Und "try" und es geht,
00:35:46: kann nur funktionieren, wenn ich diesen Mut habe und die Angst in Kauf nehme
00:35:51: und auch in Kauf nehme, dass das eine oder andere vielleicht nicht funktioniert.
00:35:55: Dementsprechend ist das ja das, was uns menschlich macht.
00:35:59: Künstliche Intelligenz
00:36:02: ist gänzlich anders: Sie versucht, ohne Fehler
00:36:06: uns immer nur die Lösung zu präsentieren, wird uns nie sagen: Das war's jetzt.
00:36:10: Das kann ich nicht.
00:36:11: Aber genau das zu sagen und einzugestehen,
00:36:16: da ist jetzt einmal ein anderer Expertin oder Experte und vielleicht auch einmal dazustehen und zu sagen,
00:36:21: die Antwort weiß ich jetzt nicht, ich werde aber alles daran setzen, um sie nachzuliefern.
00:36:27: Das ist der Schutz dafür, den Mut zu haben.
00:36:32: Sie haben ja den Mut schon mehrmals gehabt,
00:36:35: einen guten und sicheren Job zu wechseln.
00:36:40: Jetzt sind Sie zwar noch nicht so lange in der Politik, aber
00:36:44: Sie würden heute sagen: Ja, das war die richtige Entscheidung?
00:36:47: Absolut.
00:36:48: Und wie schwer war es damals für Sie, einen wirklich sicheren Job aufzugeben
00:36:53: und doch dieses "Abenteuer" Politik zu wagen?
00:36:57: Politik ist auch mit vielen Unsicherheiten verbunden...
00:37:03: Ich glaube, da sind zwei Faktoren zusammengekommen:
00:37:05: Einerseits der ganz große Wunsch,
00:37:09: diese Möglichkeit, die mir gegeben wurde, auch zu nutzen.
00:37:14: Und das Glück, dass ich Rahmenbedingungen habe, die mir diesen Schritt auch ermöglichen.
00:37:21: Ich glaube nämlich, dass es in gewisser Art und Weise
00:37:26: überheblich wäre, jetzt allen Menschen auszurichten: Probiert es einfach, komme was wolle.
00:37:33: Aber für mich selber war es die Kombination, die mich jetzt da sitzen lässt,
00:37:37: die mich seit über fünf Monaten wirklich Freude erleben lässt.
00:37:43: Mir macht mein Politikersein wirklich Freude aus tiefem Herzen.
00:37:48: Sie haben gesagt,
00:37:48: Sie haben auch die Rahmenbedingungen gehabt, die es Ihnen ermöglicht haben, in die Politik zu gehen.
00:37:53: Welche Rahmenbedingungen meinen Sie da?
00:37:56: Ich meine tatsächlich, dass ich das Glück gehabt habe, dass mir auch meine Eltern mit viel Diskussion
00:38:04: und viel Unterstützung die Möglichkeit gegeben haben, dass ich meine Talente entdecke,
00:38:09: dass ich dementsprechend Ausbildungen absolviere, wo ich weiß, ich habe die Qualifikation,
00:38:15: dass - wenn es in der Politik nicht mehr gut geht - ich einen Job annehmen kann, der
00:38:20: mir mein Leben sichert.
00:38:22: Und dann auch ein Leben, was nicht die finanziellen Ansprüche hat,
00:38:29: dass ich auf gewisse Funktionen unbedingt angewiesen bin.
00:38:34: Und diese Rahmenbedingungen machen es dann wirklich zu einer freien und schönen Funktionsausübung.
00:38:41: Wir haben früher gesagt, dass Matakustix bzw.
00:38:44: die Matakustix-Show heuer Zehn-Jahr-Jubiläum feiert.
00:38:48: Herr Landesrat, wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
00:38:52: Das ist eine gute Frage.
00:38:55: Und jetzt darf ich aufs Tattoo zurückkommen: Ich bin ein Mensch, der gern im Jetzt lebt.
00:39:00: Viel wichtiger, wo ich bin, ist für mich aber, mit wem ich dort bin.
00:39:05: Und da ist mein großer Wunsch, dass ich auch in zehn Jahren sowohl im Arbeitsleben
00:39:11: als auch im Privaten von Menschen umgeben bin, die es mit mir ehrlich meinen.
00:39:17: Die kritisch und lobend sind und mit denen ich mich einfach wohlfühlen will.
00:39:24: Das Leben ist schön.
00:39:26: Matthias, Sie haben gesagt, nach diesem Zehn-Jahr-Jubiläum ist einmal Pause.
00:39:33: Und was soll nach der Pause kommen und in den nächsten zehn Jahren passieren?
00:39:37: Das weiß ich noch nicht, was nach der Pause kommt. Schauen wir einmal.
00:39:40: Nein also, ich sehe mich in zehn Jahren eigentlich bzw.
00:39:48: ich bin sehr dankbar, dass ich den Beruf ausüben darf und dass
00:39:54: Menschen
00:39:55: Geld in die Hand nehmen, Konzerttickets kaufen und zu meinen Konzerten kommen.
00:39:59: Das ist in Zeiten wie diesen nicht mehr selbstverständlich.
00:40:02: Da bin ich einfach sehr dankbar und ziehe vor jedem den Hut, der das macht.
00:40:07: Und ich würde mir einfach wünschen, dass ich in zehn Jahren immer noch
00:40:12: irgendwas mit Menschen und Musik machen darf.
00:40:17: Jemand hat mir einmal gesagt, bis zur Pension ist es ein langer Weg.
00:40:20: Und da würde ich mir wünschen, dass ich irgendetwas
00:40:24: in dem Zusammenhang noch machen darf und machen kann.
00:40:28: Vor allem, dass die Leute, mit denen ich mich umgebe,
00:40:32: positive, liebe Menschen sind und dass es mir gesundheitlich gut geht.
00:40:37: Dann kommen wir zur letzten Frage, weil ich jetzt gerade gesehen habe, dass die Zeit verfliegt:
00:40:42: Was könnte denn die Politik von der Musik lernen und was könnte die Musik von der Politik lernen?
00:40:49: Wie könnte man gegenseitig wachsen?
00:40:54: Taktgefühl und Harmonie.
00:40:56: Ja, chapeau.
00:40:59: Sehr gut.
00:41:01: Was könnte die Musik von der Politik lernen?
00:41:05: Eine schwierige Frage, weil ich bin grundsätzlich schon ein Fan davon,
00:41:11: Kunst nicht zu politisch zu gestalten.
00:41:16: Weil ich einfach die Herangehensweise bevorzuge, Menschen
00:41:24: bei meinen Konzerten zum Abschalten zu bewegen und ein bisschen die Sorgen des Lebens zu vergessen.
00:41:31: Aber Taktgefühl, glaube
00:41:35: ich, ist ein ganz gutes Stichwort.
00:41:38: Dann sage ich ganz herzlichen Dank
00:41:41: meinen beiden Gesprächspartnern für das wirklich Unplugged-Gespräch.
00:41:46: Es war unverfälscht, ehrlich, echt.
00:41:49: Wir haben viel Neues, Interessantes, Geheimnisvolles erfahren.
00:41:53: Herzlichen Dank!
00:41:55: Ich danke auch den ZuseherInnen, den ZuhörerInnen.
00:41:58: Ich sage auf Wiedersehen und tschüss bis zur Folge vier von Kärnten unplugged.
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