Salz & Pfeffer | kärnten.unplugged
Shownotes
Kärnten unplugged – Folge 2: Salz und Pfeffer
In der zweiten Folge von Kärnten unplugged, dem Podcast des Landes Kärnten, lädt Gastgeberin Claudia Grabner zu einem Frauen-Doppel mit Salz und Pfeffer - Journalistin Antonia Gössinger und **LHStv.in Gaby Schaunig. **
Im Podcast sprechen die Journalistin Antonia Gössinger und Landeshauptmannstellvertreterin Antonia Gössinger über
• die Schatten- und Sonnenseiten im Journalismus und in der Politik • ein gemeinsames Schicksal • Frauen in der Führungsposition • die gläserne Decke • die Herausforderungen von Politik und Journalismus
Antonia Gössinger gewährt Einblick in ihr journalistisch bewegtes Leben, öffentliche Auseinandersetzungen, ihren Weg an die Spitze der Chefredaktion der Kleinen Zeitung, Angebote, in die Politik zu gehen, ihre Berufung, die Herausforderungen der Medienbranche sowie die Zukunft des Journalismus.
Warum es sich auszahlt, Widerstand zu leisten und man in der Politik nicht abstumpfen sollte, über ihre Leidenschaft, etwas zu bewegen und persönliche Erfolge erzählt Kärntens Landeshauptmannstellvertreterin Gaby Schaunig. Offen und ehrlich spricht sie über Anfeindungen, den Mut, Haltung zu bewahren, Empathie in der Politik und Solidarität unter Frauen.
Ein klares und persönliches Frauen-Doppel über den Mut, zu sich und den eigenen Werten zu stehen, die Liebe zum Beruf und die Leidenschaft für Kärnten.
Jetzt reinhören in die 2. Folge von Kärnten unplugged.
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00:00:08: Hallo und herzlich willkommen zu Kärnten unplugged,
00:00:11: dem Podcast des Landes Kärnten. Folge zwei.
00:00:15: Es freut mich sehr, dass ich dazu ein Frauen-Doppel
00:00:19: im besten Sinne des Wortes „mit Salz und Pfeffer“ begrüßen darf.
00:00:23: Das ist Antonia Gössinger, vielfach ausgezeichnete Politikjournalistin,
00:00:29: Erfinderin der Kolumne „Salz und Pfeffer“
00:00:32: und ehemalige Chefredakteurin der Kleinen Zeitung.
00:00:35: Grüß Gott, Danke für die Einladung.
00:00:37: Und das ist
00:00:38: Landeshauptmann-Stellvertreterin, Finanzreferentin Gaby Schaunig.
00:00:43: Danke schön. Die Einladung freut mich auch
00:00:45: Schön das sie da sind. Es ist interessant,
00:00:49: als ich bei Ihnen für den Podcast angefragt und Ihnen mitgeteilt habe,
00:00:55: wer Ihre Interviewpartnerin sein könnte,
00:00:58: haben Sie beide gleich reagiert, nämlich mit dem Ausruf „Super, toll!“
00:01:03: Warum? Sind Sie sich so sympathisch?
00:01:05: Oder haben Sie noch eine Rechnung offen
00:01:07: und Sie glauben, Sie werden diese jetzt unplugged loswerden?
00:01:10: Also von meiner Seite her kann ich nur sagen,
00:01:13: ich schätze die Frau Landeshauptmann-Stellvertreterin
00:01:16: Gaby Schaunig sehr - persönlich als Mensch, weil sie sehr zugewandt
00:01:22: ist, sehr empathisch und dann auch sehr interessiert
00:01:26: und auch politisch, weil sie politisch immer sehr fokussiert ist,
00:01:31: sehr sachorientiert und eben zielgerichtet.
00:01:34: Und da muss ich sagen, freue ich mich jedes Mal,
00:01:37: vor allem auch jetzt, nachdem ich ja nicht mehr aktiv im Berufsleben bin,
00:01:40: freue ich mich jedes Mal, wenn wir uns treffen.
00:01:45: Der Beruf als Politikerin hat manche Schattenseiten -
00:01:49: und er hat einen ganz großen Vorteil: Man lernt Menschen kennen,
00:01:53: die man wahrscheinlich ohne politische Funktion nicht kennengelernt hätte.
00:01:57: Und Antonia Gössinger zählt dazu. Ich glaube, man kann sagen: Nicht immer einer Meinung, aber immer größte Wertschätzung.
00:02:01: Nicht immer einer Meinung, aber immer größte Wertschätzung.
00:02:07: Aber gerade jetzt die beiden Berufsfelder
00:02:10: Politik und politischer Journalismus,
00:02:12: das ist ja nicht immer eine konfliktfreie,
00:02:15: reibungslose Konstellation. Im Gegenteil,
00:02:18: da gibt es oft Feindschaften, man versteht Kritik nicht.
00:02:22: Das scheint bei Ihnen nicht der Fall gewesen zu sein.
00:02:25: Das war von Anfang an ein harmonisches Miteinander?
00:02:30: Ja, wissen Sie, ich verstehe den Journalismus
00:02:33: so: ist nicht die Aufgabe von Journalistinnen
00:02:35: und Journalisten, dass sie jetzt mit Politikerinnen
00:02:38: und Politikern über ihre Meinungen streiten.
00:02:40: Sondern die Aufgabe von Journalismus - faktenbasiertem,
00:02:44: unabhängigem Journalismus - ist einfach die,
00:02:46: dass man die Entwicklungen beobachtet, kritisch begleitet, hinterfragt,
00:02:51: den Medien Konsumierenden aufzeigt, was da läuft.
00:02:55: Deshalb muss man ja
00:02:57: mit dem nicht einverstanden sein,
00:02:58: was Politiker und Politikerinnen tun und entscheiden.
00:03:02: Tatsächlich verbindet Sie ja zur fast gleichen Zeit - 2006, `07,
00:03:06: `08 – ein fast gleiches „Schicksal“ unter
00:03:11: Anführungszeichen: Sie waren beide massiven
00:03:16: Kritiken und Diffamierungskampagnen ausgesetzt.
00:03:20: Frau Landeshauptmann-Stellvertreterin,
00:03:22: Sie haben damals die Konsequenzen gezogen
00:03:25: und haben dann im Sommer 2008 der Politik den Rücken gekehrt.
00:03:30: Wie bewerten Sie diesen Schritt heute rückblickend?
00:03:33: Rückblickend
00:03:36: eine der besten Entscheidungen, die ich jemals getroffen habe.
00:03:39: Ich glaube, es zahlt sich aus, Widerstand zu leisten.
00:03:42: Immer!
00:03:44: Dort, wo das auf eine Ebene geht, wo es dann
00:03:48: einem persönlich schadet, nämlich jetzt nicht nur im Image und
00:03:52: in der Beurteilung und in der politischen Diskussion,
00:03:55: sondern wo feststellbar ist,
00:03:57: dass man sich vielleicht auch persönlich verändert,
00:03:59: dass man Gefahr läuft, sich auf die gleiche Ebene zu begeben,
00:04:03: dass man die Freude an der Politik verliert, an diesem
00:04:07: wirklich tollen Aufgabenfeld mit viel Gestaltungsmöglichkeiten.
00:04:12: Ich glaube, das ist der Zeitpunkt.
00:04:13: Da ist es egal,
00:04:13: ob man über Politik oder andere Aufgaben spricht,
00:04:16: wo man den Mut haben muss, auch zu sagen: Bis hierher und nicht weiter.
00:04:20: Frau Gössinger, Sie haben ja anders reagiert:
00:04:24: Sie haben es offensichtlich mit Friedrich Nietzsche gehalten
00:04:27: „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“ und sind vor Gericht gezogen.
00:04:31: Also Sie haben diesen Konflikt
00:04:32: dann auch wirklich öffentlich und medial begleitet ausgetragen.
00:04:37: Finden Sie jetzt im Nachhinein, dass Sie auch
00:04:41: diese öffentliche Auseinandersetzung bekannter gemacht hat?
00:04:45: Haben Sie letztendlich vielleicht
00:04:47: sogar von dieser Auseinandersetzung profitiert?
00:04:49: Durchaus.
00:04:50: Diese politische Phase in Kärnten,
00:04:55: die ja alles andere als angenehm gewesen ist,
00:04:58: die hat
00:04:59: mir als Journalistin die Möglichkeit gegeben,
00:05:01: mein journalistisches Profil zu schärfen.
00:05:03: Das ist durchaus richtig.
00:05:05: Und Sie haben es angesprochen:
00:05:07: Ich habe die Kolumne „Salz
00:05:09: und Pfeffer“ geschrieben, bis
00:05:10: zum Ende, 30 Jahre, wo ich wöchentlich diese Kolumne geschrieben habe.
00:05:15: Und ich muss sagen,
00:05:18: diese persönlichen Anfeindungen - einmal abgesehen davon,
00:05:21: dass ich relativ robust bin und
00:05:23: in der Redaktion auch immer
00:05:24: die Frau fürs Grobe gewesen bin
00:05:26: - haben mir diese persönlichen Anfeindungen nichts ausgemacht.
00:05:30: Weil schlimmer wäre es gewesen,
00:05:32: wenn mir die kritisierten Personen, Parteien oder Menschen
00:05:36: nachweisen hätten können, dass irgendetwas nicht stimmt.
00:05:39: Ich glaube, wir wären heute auch nicht per Du,
00:05:40: wenn ich dazwischen nicht aus der Politik ausgeschieden wäre,
00:05:43: weil wir es beide gleich halten, nämlich
00:05:45: mit einer gewissen professionellen,
00:05:47: zwar großen Wertschätzung, aber trotzdem professionellen Distanz.
00:05:51: Und das, was
00:05:54: Antonia Gössinger für mich auszeichnet,
00:05:56: ist auch diese messerscharfe Unterscheidung
00:05:59: zwischen Bericht und Kolumne.
00:06:01: Berichte wirklich perfekt recherchiert, aufzubereiten,
00:06:05: ausgewogen zu berichten, immer mit Sachkenntnis.
00:06:09: Und das ist ja auch angesprochen worden, dass es da keine Kritik
00:06:12: und keine Angriffsflächen gibt, wenn man Berichte so aufbereitet.
00:06:15: Und dann in der Kolumne und in der eigenen Meinung eben auch
00:06:21: durchaus Kritik zum Ausdruck zu bringen.
00:06:23: Und ich muss sagen, die schmerzhaftesten Kritiken waren
00:06:25: diejenigen, wo ich mir insgeheim gedacht hat:
00:06:27: „Ja, sie hat so was von recht.“
00:06:29: Also das waren diejenigen, die man
00:06:30: dann in der Früh gelesen hat und sich gedacht hat,
00:06:33: das tut jetzt echt weh, weil es stimmt.
00:06:35: Aber wie gesagt, sie waren beide also wirklich massiver Kritik ausgesetzt.
00:06:40: Und wenn ich jetzt so nachdenke,
00:06:42: fällt mir kein Mann ein, weder Journalist noch Politiker,
00:06:47: der solchen Diffamierungskampagnen ausgesetzt gewesen wäre.
00:06:51: Glauben Sie, dass die Gesellschaft in der Kritik
00:06:55: gegenüber Frauen unverfrorener ist?
00:06:59: Mit Sicherheit. Mit Sicherheit. Ich
00:07:03: bin ja heute froh,
00:07:04: dass es in der Zeit, wo es so hitzig zugegangen ist
00:07:07: bei uns in Kärnten,
00:07:08: dass es damals das Internet
00:07:10: mit dieser Ausprägung Social Media noch nicht gegeben hat,
00:07:13: weil was sich heute dort abspielt auf diesen sozialen Netzwerken,
00:07:17: die längst unsoziale
00:07:18: Netzwerke sind, nämlich Hass und Hetze und Beschimpfungen, Beleidigungen.
00:07:23: Bei Frauen ist es ja nun überhaupt sehr häufig
00:07:26: noch mit wirklich sexualisierter Gewaltandrohung verbunden.
00:07:31: Das ist ganz furchtbar.
00:07:33: Ich habe da das Beispiel von der
00:07:35: Claudia Reiterer, die ja im ORF „Im Zentrum“ geleitet hat,
00:07:39: über acht Jahre hinweg.
00:07:40: Die hat Hunderte Reaktionen
00:07:42: auf jede einzelne Sendung bekommen und davon waren 80 % negativ.
00:07:48: Und das Schlimme ist bei
00:07:49: all diesen Bewertungen und Verhetzung und diesen Hass-Nachrichten, die
00:07:53: im Internet stattfinden, die kommen mittlerweile
00:07:55: überhaupt nicht mehr von anonymen Accounts,
00:07:58: sondern da scheuen sich Menschen auch nicht,
00:08:01: mit ihren Klarnamen das zu schreiben.
00:08:03: Und leider Gottes tun das auch Frauen.
00:08:06: Und Hauptbetroffene sind wirklich Politikerinnen, Journalistinnen,
00:08:12: Schauspielerinnen oder Aktivistinnen von Nichtregierungsorganisationen.
00:08:17: Und die Konsequenz ist dann halt häufig die, dass die Frauen sich zurückziehen.
00:08:22: Frau Schaunig, wie leidensfähig muss man heute sein, gerade im Hinblick auf die sozialen bzw. unsozialen Medien, wo man wirklich ungestraft, anonym
00:08:25: gerade im Hinblick auf die sozialen bzw. unsozialen Medien, wo man wirklich ungestraft, anonym
00:08:35: seinen Geist oder Ungeist verbreiten kann?
00:08:40: Also zum einen:
00:08:41: Ich glaube, dass sich das ganz stark vor allem
00:08:43: auch gegen jüngere Frauen richtet, die man versucht,
00:08:46: hier wirklich mundtot zu machen,
00:08:49: sich nicht zu Wort zu melden, sich nicht zu äußern.
00:08:51: Und auf die Politik bezogen ist das ein massiver Verlust.
00:08:56: Jetzt stellt sich nicht die Frage,
00:08:57: ob Männer oder Frauen bessere Politik machen,
00:09:00: aber wenn ein Teil fehlt,
00:09:02: also wenn entweder Männer oder Frauen
00:09:04: nicht in der Politik auftreten und nicht ausgewogen vertreten sind,
00:09:07: dann ist das schlecht für die Gesellschaft als Ganzes,
00:09:10: weil eigentlich eine Perspektive fehlt,
00:09:12: weil ein Erfahrungswissen fehlt, weil ein Zugang fehlt.
00:09:15: Und deshalb halte ich das wirklich für etwas,
00:09:17: wo man mit aller Kraft dagegenstehen muss.
00:09:20: Und die Frage, wie viel muss man aushalten?
00:09:23: Ich bin absolut dagegen, sich eine dicke Haut zuzulegen.
00:09:27: Ich glaube, es braucht keine Leidensfähigkeit, denn wozu führt das?
00:09:31: Zu einem Abstumpfen, zu einem Mangel an Empathie,
00:09:36: zu einer Gesellschaft, die einfach alles hinnimmt und das gar
00:09:40: nicht mehr verspüren möchte?
00:09:42: Ganz und gar nicht.
00:09:43: Sondern die Antwort kann nicht sein „stumpft ab“, sondern
00:09:45: die Antwort muss sein „halten wir dagegen“,
00:09:48: denn sonst hätten wir Politikerinnen und Politiker ohne Empathie,
00:09:52: ohne Möglichkeit, sich in Situationen hinein zu spüren.
00:09:55: Und ich glaube, das ist das Letzte, was wir wollen.
00:09:59: Sie haben bereits mehrmals Ihre Redaktion
00:10:01: angesprochen: Sie waren ja dann ab 2015 Chefredakteurin.
00:10:05: Wie wird man als Frau oder wie kommt man als Frau an die Spitze
00:10:10: der auflagenstärksten Tageszeitung in Kärnten?
00:10:15: Als Notnagel.
00:10:18: Nein, es ist so:
00:10:22: Ich verdanke diesen Aufstieg
00:10:25: dann zur Chefredakteurin eigentlich einer Frau, weil
00:10:27: ich habe ja eine Vorgängerin gehabt, Eva Weissenberger.
00:10:30: Und nach Reinhard Dottolo, er war 20 Jahre lang Chefredakteur,
00:10:34: dann ist die Eva Weissenberger gekommen.
00:10:36: Und das war auch so ausgeschildert als Generationenwechsel, weil
00:10:40: sie ist sehr viel jünger als ich.
00:10:42: Und ich muss sagen, wir haben uns damals - die Kärntner
00:10:45: Kollegen,
00:10:45: die da waren, vor allem die männlichen Kollegen
00:10:47: und ich - wir haben uns auch alle um die Position beworben,
00:10:50: die Eva ist es geworden.
00:10:51: Ich hab das ja begrüßt, weil ich sie sehr schätze und mag.
00:10:54: Aber sie ist dann nach zwei Jahren wieder nach Wien zurückgegangen,
00:10:59: hat sich mit Kärnten nicht so wirklich anfreunden können
00:11:02: und dann ist man an mir nicht mehr vorbeigekommen.
00:11:04: Aber ich muss natürlich schon eines sagen: Ich habe
00:11:09: meinen Arbeitsplatz immer geschätzt in der Kleinen Zeitung.
00:11:12: Nur ich bin dort auch ewig
00:11:13: und immer übergangen
00:11:14: worden, weil die Kleine Zeitung hat Korrespondenten
00:11:18: damals noch in Bonn gehabt und in Brüssel, eine Wiener Redaktion.
00:11:22: Ich habe mich immer beworben
00:11:23: – für die Korrespondenten-Posten, für die Wiener Redaktion.
00:11:28: Und diese Posten,
00:11:29: die haben die Männer schon alle
00:11:30: immer unter sich ausgemacht gehabt,
00:11:33: bevor in der
00:11:33: Redaktion überhaupt bekannt geworden ist, dass diese Position vakant wird.
00:11:38: Aber ich darf mich nicht beklagen.
00:11:39: Ich habe in Kärnten hier alle Freiheiten gehabt
00:11:42: und hab mir halt selber
00:11:43: die Wege gesucht, dass sie mich dann halt
00:11:45: national und international vernetzt haben.
00:11:48: Aber apropos „die Männer haben sich gegenseitig geholfen“:
00:11:51: Frau Schaunig, wie sehen denn Sie das?
00:11:53: Könnten oder
00:11:54: müssten die Frauen von den Männern lernen, von den Männerseilschaften?
00:11:59: Sind Frauen, erfolgreiche Frauen, zu wenig solidarisch?
00:12:03: Ganz im Gegenteil.
00:12:04: Also ich glaube,
00:12:05: dass dieses vermeintliche „Frauen stehen stärker in Konkurrenz“
00:12:11: überhaupt nicht zutrifft.
00:12:13: Das Problem ist eher: Männer sind in Entscheidungspositionen
00:12:16: und das macht den Unterschied,
00:12:18: dass dann sozusagen für den nächsten Mann entschieden wird.
00:12:21: Frauen sind weniger in Entscheidungspositionen vertreten.
00:12:24: Und rein mathematisch ergeben sich dann mehr Entscheidungen für Männer.
00:12:28: Deshalb ist sozusagen eine gerechte Aufteilung - halbe/halbe -
00:12:34: ein guter Ansatz, um hier Frauen auch entsprechend zu positionieren.
00:12:39: Und die Unterstützung:
00:12:40: Also ich muss sagen, in meiner beruflichen Laufbahn
00:12:42: waren es ganz, ganz viele Frauen, auch Männer, die mich unterstützt haben.
00:12:48: Aber natürlich auch Erlebnisse, wo man sich dann gefragt hat,
00:12:53: eigentlich hätte ich die bessere Qualifikation,
00:12:55: wieso wird ein Mann mir vorgezogen?
00:12:57: Ich sehe es ein wenig anders.
00:13:00: Ich sehe schon, dass die Frauen… ich habe eine Nichte
00:13:03: und ich lebe mit meiner Nichte zusammen und immer
00:13:05: wenn ich dann zu irgendwelchen Frauenveranstaltungen gehe,
00:13:07: sagt sie „Bitte erspar dir das.
00:13:10: Solange die Frauen sich gegenseitig
00:13:12: immer konkurrieren, wird es nix mit den Frauen.“
00:13:17: Und da hat sie nicht ganz unrecht, weil ich habe auch vielfach erlebt,
00:13:22: dass Frauen noch immer ihre Konkurrenz in der anderen Frau sehen
00:13:26: und nicht im
00:13:29: Mann, der ihnen quasi auf
00:13:31: der Karriereleiter oder sei es einfach nur, was es gehaltsmäßig betrifft, im Wege steht.
00:13:37: Ohne Quotenregelungen auf allen Ebenen wird das mit der Gleichstellung
00:13:43: auch in den nächsten 120 Jahren nichts werden.
00:13:46: Ich präsentiere immer der.
00:13:47: Sprechen auch Sie sich für eine Quotenregelung aus?
00:13:49: Ja, für halbe-halbe.
00:13:54: Wie tief hängt denn die gläserne Decke
00:13:57: konkret in der Politik, konkret im Journalismus?
00:14:00: Oder glauben Sie, dass gerade Medien und Politik ohnehin
00:14:04: durchlässiger sind für
00:14:06: Frauen als andere Wirtschaftsbereiche?
00:14:10: Ich glaube, das ist überall ziemlich ähnlich.
00:14:12: Also die gläserne Decke existiert noch immer für die Frauen
00:14:16: und ich glaube, man muss manche Dinge auch besser vorbereiten.
00:14:20: Mir passiert es oft, dass ich
00:14:22: dann gefragt werde, wenn es um bestimmte Positionen geht,
00:14:25: „Uns fällt keine Frau ein.“
00:14:27: Wir haben in Kärnten inzwischen ein ganz gutes Frauennetzwerk
00:14:31: und es gibt ganz tolle Frauen.
00:14:32: Und die Begründung, „uns fällt keine qualifizierte Frau
00:14:35: für den Aufsichtsrat oder für eine Funktion ein“,
00:14:38: die gibt es einfach nicht mehr.
00:14:39: Denn ganz egal in welchen Bereichen, Frauen sind top ausgebildet
00:14:43: und aus diesen Netzwerken heraus, aus den Veranstaltungen
00:14:49: gibt es eine ganze Reihe von Frauen, die top qualifiziert sind, die
00:14:52: Topausbildungen haben und einfach geeignet sind für die Funktionen.
00:14:56: Und dann muss man halt sehr schnell sein und parieren und sagen:
00:15:00: „Fünf habe
00:15:01: ich und du kannst dir eine aussuchen.“ Ja, ich glaub auch,
00:15:06: das ist in allen Branchen eigentlich ziemlich ähnlich.
00:15:09: Da sind auch die Medien keine Ausnahme.
00:15:11: Wobei Journalismus mittlerweile ein ganz stark weiblich geprägter
00:15:15: Beruf ist, also schon mehr
00:15:20: als die Hälfte der journalistisch tätigen Menschen sind Frauen.
00:15:24: Nur in den Führungsebenen, Führungsetagen
00:15:27: bildet sich das überhaupt nicht ab.
00:15:29: Na ja, man muss halt gegen manche Bilder ankämpfen.
00:15:32: Gerade in der Politik
00:15:33: wird oft so das Bild erzeugt, das wäre so familienunfreundlich
00:15:37: und Familie und Kinder und Politik und das geht sich überhaupt nicht aus.
00:15:42: Es geht sich alles aus.
00:15:44: Und es macht Spaß und es macht Freude, sich in dem Bereich zu betätigen.
00:15:48: Und ich glaube, das ist auch ein Bild, das wir zeigen müssen,
00:15:50: dass man Frauen auch den Mut gibt, sich nicht abschrecken zu lassen.
00:15:55: Das passiert oft
00:15:56: genau durch die Bilder und dann verändern sich auch Dinge.
00:16:00: Dann ist halt die Sitzung nicht zu einer Uhrzeit, wo
00:16:04: entweder Beruf im Weg steht oder wo Familienverpflichtung im Weg steht.
00:16:09: Es gibt
00:16:09: wunderbare Termine,
00:16:10: die man so vereinbaren kann,
00:16:12: dass man auch diesen Privatbereich mit vereinbaren kann.
00:16:16: Und davon profitieren auch Männer.
00:16:17: In anderen Ländern ist das völlig üblich.
00:16:21: Also in Norwegen wundern sich alle, wenn es nach 17 Uhr einen Termin gibt,
00:16:25: weil da sind die Kinder aus der Schule abzuholen.
00:16:26: Das gilt für Männer und Frauen.
00:16:28: Sie beide sind ja dann Ausnahmen: bis ganz nach oben hin geschafft - in einer Zeitung, in einer Partei,
00:16:35: jetzt in der Regierung als Landeshauptmann-Stellvertreterin.
00:16:38: Nach oben zu kommen,
00:16:40: ist das eine, aber sich dann noch über Jahre
00:16:42: oder Jahrzehnte oben zu halten, ist das andere.
00:16:45: Wie energiefressend ist es,
00:16:48: die Nummer eins von einem Unternehmen, von einer Partei zu sein?
00:16:54: Also für mich war es überhaupt nie energiefressend.
00:16:58: Ich muss aber sagen, dass mein Privatleben so ist,
00:17:02: dass ich da einfach nie
00:17:04: in einer Doppelmühle gewesen bin
00:17:06: oder dass ich da Mehrfachbelastungen gehabt habe.
00:17:09: Ich habe mich wirklich immer auf
00:17:11: meinen Beruf, der mir wahnsinnige Freude gemacht
00:17:13: hat, konzentrieren können.
00:17:15: Und ich bin jeden Tag,
00:17:17: 39 Jahre, im Carinthia-Haus
00:17:24: über die Stufen hinaufgegangen und habe mich gefreut,
00:17:27: wenn ich wieder in die Arbeit gekommen bin.
00:17:28: Also ich muss sagen: Stress, auch dieses Wort, habe ich nie empfunden.
00:17:34: Ich habe irgendwie gelernt,
00:17:36: pragmatisch vorzugehen und eines nach dem anderen zu tun
00:17:39: und nicht zehn Sachen nebeneinander.
00:17:41: Empfinden Sie die Position als energiefressend?
00:17:44: Mir geht es ganz gleich.
00:17:46: Also ich mache alles mit großer Leidenschaft.
00:17:49: Und Arbeit, die man gern macht, ist kein Energiefresser.
00:17:53: Und am Anfang ist das angesprochen worden: Ich bin 2008 aus
00:17:57: der Politik ausgeschieden
00:17:58: - Energiefresser sind andere Menschen, die einem nicht guttun.
00:18:02: Das sind Energiefresser.
00:18:04: Also die Arbeit und die Aufgabe ist es überhaupt nicht.
00:18:07: Und wie gesagt, wenn es so weit ist, dass man sagt,
00:18:10: das geht einfach nicht mehr, das ist einfach nur negative Energie,
00:18:14: dann muss man eine Konsequenz ziehen.
00:18:18: Und auch das ist angesprochen worden:
00:18:20: Wenn man in einer Führungsposition ist,
00:18:21: dann hat man ein Team um sich, das einen unterstützt.
00:18:24: Und das ist wahrscheinlich in manchen Bereichen
00:18:27: dann leichter zu bewältigen
00:18:29: als manche anderen Aufgaben, die Frauen haben,
00:18:33: die Familie und Beruf unter einen Hut bringen.
00:18:35: Da muss ich ehrlich sagen, da ziehe ich den Hut vor
00:18:37: manchen anderen Bereichen,
00:18:39: die das dann im Alleingang machen müssen,
00:18:41: wo es kein unterstützendes Umfeld gibt,
00:18:43: wo es kein Team gibt, das alles abfedert,
00:18:46: wo man auch keine Position hat, wo man sagen kann: „Nein,
00:18:48: da hat mein Kind Laternenfest, das ist jetzt der wichtigere Termin“.
00:18:51: Also ich glaube, dass da
00:18:53: in anderen Positionen
00:18:54: das noch viel schwieriger ist
00:18:56: und wir als Gesellschaft wirklich viel dafür tun müssen,
00:18:59: dass diese Balance passt.
00:19:01: Weil ich glaube, das ist ganz was Wichtiges.
00:19:03: Ein gutes Berufsleben, verbunden mit einem guten privaten
00:19:07: und sozialen Umfeld - und das in eine ausgewogene Balance zu bringen, dann
00:19:12: ist es keine Belastung, ist es kein Energieräuber,
00:19:15: sondern wirklich schön, etwas zu tun, was einem Riesenfreude macht.
00:19:18: Ihre Augen leuchten und funkeln jetzt wirklich:
00:19:21: Aber was ist tatsächlich der Kick an der Politik?
00:19:29: Was ist der Kick im Journalismus?
00:19:33: Ich glaube, es ist eine Möglichkeit, das Leben der Menschen zu verändern,
00:19:36: zu verbessern.
00:19:38: Und es gibt wenig Funktionen, wo man das tun kann.
00:19:42: Und wenn mich heute jemand fragt
00:19:44: oder fragen würde: Wenn ich so zurückschaue,
00:19:46: was war da so der größte Erfolg für mich politisch?
00:19:48: Dann werden die meisten Menschen
00:19:49: denken, das ist die Lösung der Heta-Krise.
00:19:52: Ja, das war die Pflicht.
00:19:55: Die Kür, das sind so Sachen wie das Aufbrechen
00:19:58: der Institutionalisierung in der Behindertenhilfe.
00:20:01: Das sind wirklich Sachen, wo ich mir denke: Ja,
00:20:03: das wird in der breiten Öffentlichkeit nie so das Thema sein.
00:20:07: Aber das sind so die ganz persönlichen Erfolge.
00:20:10: Ich erinnere mich noch an den Lukas Kaimer.
00:20:11: Das war der erste junge Mann,
00:20:13: der über das Chancenforum
00:20:15: beschäftigt worden ist, der Bibliothekar geworden ist
00:20:18: und sein Leben dann selbstständig geführt hat.
00:20:21: Und ganz viele weitere, die gefolgt sind,
00:20:24: die dann einen ganz anderen Lebensverlauf gehabt haben.
00:20:28: Und das ist das wirklich Schöne in der Politik.
00:20:31: Das hat etwas verändert, auch wenn das keine Themen sind,
00:20:34: die in der breiten Öffentlichkeit weiß Gott wie aufschlagen.
00:20:38: Frau Gössinger, warum
00:20:40: sind Sie dem Journalismus treu geblieben
00:20:42: und sind nicht dem Ruf oder den Rufen in die Politik gefolgt?
00:20:49: Weil ich weiß, es gab Rufe.
00:20:51: Es gab mehrere Rufe und mehrere Angebote, in die Politik zu gehen.
00:20:56: Aber ich muss noch ein Wort zur Gaby Schaunig sagen.
00:21:00: Das ist ja wirklich der Treppenwitz der Geschichte, dass
00:21:03: die Gaby Schaunig
00:21:05: die Finanzen sanieren hat müssen oder das aufarbeiten hat müssen,
00:21:10: wo sie in ihrer ersten politischen Karriere vergeblich davor gewarnt hat.
00:21:15: Das ist wirklich ein Treppenwitz der Geschichte.
00:21:17: Nein,
00:21:18: ich habe
00:21:19: das selber nicht mehr gewusst:
00:21:20: Mitschülerinnen haben mir erzählt,
00:21:22: dass ich in der Schule immer gesagt habe,
00:21:24: ich möchte Kriminalbeamtin werden.
00:21:26: Und irgendwann
00:21:28: bin ich einmal in meinem
00:21:29: journalistischen Leben draufgekommen: Okay, so weit entfernt
00:21:34: von dem ist meine Arbeit eigentlich auch nicht.
00:21:37: Der Journalismus ist etwas,
00:21:41: das ist eine Branche, wo man wirklich in
00:21:46: jedes Themenfeld und in jede Gesellschaftsschicht
00:21:49: Einblick nehmen kann und sich damit beschäftigen kann.
00:21:53: Und da muss ich auch den Christoph Zernatto zitieren,
00:21:56: der hat einmal gesagt - der war auch so angetan von der Politik -
00:22:00: das stellt sich ihm so dar wie ein Cocktail:
00:22:04: Wenn man einen Cocktail jetzt anschaut,
00:22:05: dann gibt es die einzelnen Schichten und jeder lebt in seiner Schicht.
00:22:09: Aber wenn du in der Politik bist, dann vermischt sich dieser Cocktail.
00:22:12: Da kannst du von oben nach unten tauchen und von unten nach oben.
00:22:15: Und der Journalismus ist ja ähnlich, da kann man
00:22:20: sich wirklich für alles interessieren.
00:22:22: Manche sagen dann „Schnittlauch auf allen Suppen sein“,
00:22:25: aber man muss sich natürlich schon intensiv damit beschäftigen.
00:22:30: Es gibt, glaube ich, eine Riesenchance, Dinge zu sehen,
00:22:34: die man vielleicht in anderen Bereichen nicht sieht.
00:22:36: Wir leben ja normalerweise alle ein bisschen so in einer Blase.
00:22:40: Und ich glaube, das eint den Journalismus
00:22:41: und die Politik, dass man in ganz unterschiedliche Themenfelder schaut.
00:22:46: Für mich
00:22:46: persönlich: Man wird in manchen Bereichen viel zufriedener,
00:22:51: wenn man sieht, wie manche Menschen mit
00:22:53: wirklich riesigen Herausforderungen umgehen.
00:22:55: Mit ganz großen Herausforderungen.
00:22:58: Und dann denkt man sich: Ja,
00:23:00: schön
00:23:01: bescheiden bleiben und
00:23:04: schauen, dass man gute Rahmenbedingungen
00:23:05: für Betroffene schafft.
00:23:07: Aber das sind Dinge,
00:23:07: die ich wahrscheinlich sonst niemals gesehen hätte, wenn ich als Juristin
00:23:12: in einem Teilbereich des Lebens meine Tätigkeit gehabt hätte.
00:23:16: Also diese Breite, diese ganz unterschiedlichen Menschen,
00:23:18: die man kennenlernt und – ich habe es eingangs gesagt -
00:23:21: wir hätten uns wahrscheinlich nie kennengelernt.
00:23:23: Ich hätte manche Freundinnen und Freunde, ganz egal aus
00:23:27: welchen Bereichen heute nicht, die ich nicht kennengelernt hätten.
00:23:30: Das ist so eine Bandbreite, die macht es auch ganz, ganz spannend.
00:23:34: Hat es in Ihrer journalistischen und politischen Laufbahn
00:23:39: noch Situationen gegeben - abgesehen von der Situation,
00:23:42: die wir vorher besprochen haben, mit den Diffamierungen
00:23:45: und Kritiken unter der Gürtellinie -,
00:23:47: aber hat es Situationen gegeben, wo sie gesagt haben:
00:23:50: Es reicht, ich steige aus,
00:23:52: ich tu mir das nicht mehr an, ich will nicht mehr?
00:23:55: Nein, bei mir nie.
00:23:56: Also ich könnte mich nicht erinnern.
00:24:01: Man kann mit mir unheimlich gut auskommen.
00:24:03: Aber wenn sich der Streit nicht vermeiden lässt und jemand glaubt,
00:24:07: dann stelle ich mich schon der Herausforderung.
00:24:10: Also da bin ich ziemlich schmerzbefreit.
00:24:11: Also da muss ich sagen, diese Situation hat es nie gegeben.
00:24:15: Bei Ihnen in der Politik?
00:24:16: Es waren ja doch sehr große Herausforderungen zu bewältigen.
00:24:21: Also das, was man sich nicht zumuten muss, sind Dinge, die dann so zutiefst
00:24:25: persönlich sind, die auf die Familie gehen.
00:24:28: Ich glaube, da kann man
00:24:28: einen klaren Strich ziehen und sagen: Nein, das brauche ich jetzt nicht.
00:24:33: Arbeitsmäßige Herausforderungen - da bin ich ganz gleich.
00:24:36: Also manche Streite muss man führen,
00:24:39: da führt dann kein Weg daran vorbei, man muss klare Positionen beziehen.
00:24:45: Es gibt manchmal viel Arbeit,
00:24:46: aber das würde ich nicht als Stress bezeichnen,
00:24:48: sondern es ist manchmal halt mehr.
00:24:50: Die Heta ist angesprochen worden:
00:24:52: Da waren die Schlafzeiten relativ gering
00:24:54: und zwar über einen langen Zeitraum…
00:24:57: Ja, das geht vorbei.
00:24:59: Ich meine, man kann
00:24:59: im Leben nicht alles richtig machen
00:25:01: und man hat sicher auch Fehlentscheidungen getroffen.
00:25:05: Können Sie sich so an eine Fehlentscheidung erinnern,
00:25:09: wo Sie sagen: Das tut mir heute noch leid?
00:25:12: Da fällt mir jetzt eigentlich nicht wirklich was ein.
00:25:20: Aber was mir unheimlich leidtut, das sind Chancen,
00:25:24: die Kärnten leider nicht wahrgenommen hat oder nicht wahrnehmen konnte.
00:25:29: Und eine für mich so offene Wunde, muss sie sagen, ist für mich
00:25:34: die Drei-Länder-Olympiabewerbung für die Winterspiele 2006.
00:25:38: Das war so eine spannende, diese Bewerbungsphase, das war so spannend.
00:25:42: Das hat die drei Regionen einander so nähergebracht.
00:25:47: Das hat die drei Kulturen einander so nähergebracht.
00:25:49: Da war wirklich Aufbruchsstimmung da.
00:25:53: Und dass damals eben auch korrupte alte, weiße Männer
00:25:57: das damals anders entschieden haben, das tut mir wirklich heute noch leid.
00:26:02: Und das zweite, wo Kärnten selber dann die Chance nicht genutzt hat,
00:26:06: das war für mich die größte
00:26:09: künstlerische Installation im öffentlichen Raum,
00:26:12: nämlich der Wald im Stadion, der hätte eine weltweite Sensation
00:26:17: sein können.
00:26:18: Aber damals haben die politisch Verantwortlichen in Klagenfurt
00:26:21: zwar zuerst den Mut gehabt, das zuzulassen,
00:26:24: aber dann nicht den Mut - und auch das Land
00:26:26: nicht -, wirklich viel Geld in die Hand zu nehmen,
00:26:28: um diese großartige Installation einfach weltweit zu bewerben.
00:26:33: Das sind so Sachen, darum tut es mir wahnsinnig leid.
00:26:37: Aber persönliche
00:26:38: Entscheidungen, die ich getroffen habe: nein...
00:26:42: Und tut es Ihnen leid, etwas nicht getan zu haben?
00:26:46: Ich kann mir vorstellen bzw.
00:26:48: ich weiß, dass man auch Sie in anderen Positionen haben wollte
00:26:54: und Sie haben abgelehnt.
00:26:55: Tut es Ihnen heute leid, sich gegen
00:27:00: die eine oder andere Verlockung entschieden zu haben?
00:27:03: Ich habe es schon eingangs erwähnt:
00:27:06: Ich bin so leidenschaftlich gern in Kärnten,
00:27:08: ich könnte mir was anderes nicht vorstellen.
00:27:12: Und wenn man sich so politische Ebenen anschaut:
00:27:16: Ich glaube,
00:27:16: dass die Landespolitik einfach meine Ebene ist.
00:27:20: Zu weit weg von den Menschen, das passt nicht gut zu mir.
00:27:25: Ich bin gerne unter Leuten,
00:27:26: ich habe gerne diese direkten Rückmeldungen.
00:27:31: Bei Ihnen?
00:27:34: Ich habe
00:27:36: politische Angebote gehabt zuerst in der Gemeinde,
00:27:39: dann für ein Landtagsmandat und dann im Jahr 2000 vom Jörg
00:27:44: Haider Landesschulratspräsidentin zu werden.
00:27:46: Aber mir tut es nicht leid, dass ich nichts von denen angenommen habe.
00:27:50: Denn ich sehe schon im Journalismus meinen Beruf und meine Berufung.
00:27:56: Sie sind tatsächlich beide begeistert von ihren Berufen und Berufungen.
00:28:00: Aber was sehen Sie als das größte Übel im Journalismus als Berufsbild.
00:28:07: Und umgekehrt:
00:28:08: Was sehen Sie als größtes Übel in der Politik als Berufsbild?
00:28:16: Worunter ich manchmal leide, ist,
00:28:18: Politikerinnen und Politiker pauschal in einen Topf zu werfen.
00:28:21: Das passiert sehr oft.
00:28:24: Da leide ich darunter, dass es hier kein differenzierteres Bild gibt.
00:28:28: Das zweite ist,
00:28:32: das nicht mit der notwendigen Ernsthaftigkeit zu betreiben.
00:28:36: Da leide ich in der Politik, wo ich mir manchmal denke: Mah,
00:28:40: das ist eine ernst zu nehmende Aufgabe,
00:28:43: dafür braucht es entsprechende Vorbereitung, dafür braucht es
00:28:48: auch die Voraussetzungen,
00:28:50: dass man bereit ist, ganz, ganz viele Dinge zu lernen.
00:28:54: Und wenn das fehlt, das sind Sache, die schaden uns allen ungemein.
00:29:01: Und im Journalismus?
00:29:02: Im Journalismus ist das größte Übel eine fehlende Distanz zur Politik.
00:29:09: Und wenn Medienschaffende
00:29:14: sich verhabern oder zu nahe sind – und da ist Gendern
00:29:19: absolut nicht notwendig, weil das tun wirklich
00:29:22: die Männer, dass es da Verhaberungen gibt auf gewissen Ebenen.
00:29:26: Da schadet man der gesamten Branche und vor allem der Glaubwürdigkeit.
00:29:31: Ein Journalist, eine Journalistin hat ja nur ein einziges Kapital
00:29:36: und das ist die Glaubwürdigkeit.
00:29:37: Und wenn man sich dann auf solche falschen Spielchen einlässt,
00:29:43: dann schadet das massiv der Glaubwürdigkeit.
00:29:46: Und vor allem es schadet der Branche.
00:29:48: Der faktenbasierte Journalismus ist ohnehin in seiner Glaubwürdigkeits-
00:29:53: und Vertrauenskrise.
00:29:54: Und wenn es dann auch noch Inseratenkorruption gibt,
00:29:57: so wie jetzt noch immer ermittelt wird,
00:30:01: dann schadet das der Branche extrem.
00:30:07: Sie sagen Glaubwürdigkeit und Vertrauen,
00:30:09: das sind genau die beiden Stichworte: Glaubwürdigkeit und Vertrauen,
00:30:13: das sind jetzt die großen Herausforderungen
00:30:15: einerseits für die Medien, andererseits für die Politik.
00:30:18: Wie sehen Sie die Zukunft der Politik vor diesem Hintergrund,
00:30:23: vor dieser Herausforderung
00:30:25: der Verantwortung, der Glaubwürdigkeit, des Vertrauens?
00:30:29: Ich glaube, wir stehen da vor einer Riesenherausforderung,
00:30:32: weil wir in einer Zeit leben, wo Fakten und Meinungen
00:30:37: gleichwertig gegeneinandergestellt sind.
00:30:40: Und gerade auch in den sozialen Medien werden sie so transportiert.
00:30:43: Und dass es oft sehr schwierig ist,
00:30:45: auch für all jene, die diese Medienkultur konsumieren, zu
00:30:48: unterscheiden, was sind denn jetzt evidenzbasierte, zahlenbasierte Fakten
00:30:53: und was sind einfach Meinungen, die dagegengestellt werden?
00:30:57: Ich glaube, das ist eine ganz schwierige Diskussion.
00:30:59: Ich wäre glücklich, wenn ich eine Antwort darauf wüsste,
00:31:01: wie man eben auf diese nicht sachlich geführten Diskussionen,
00:31:06: Emotionen, Meinungen, die als Fakten in den Raum gestellt werden, reagiert.
00:31:11: Denn da ist man oft wirklich die Zweite,
00:31:13: wenn man dann mit Fakten reagiert.
00:31:16: Weil Emotionen mit Fakten zu beantworten, immer sehr schwierig ist.
00:31:19: Sind dann nicht gerade die Medien am Zug?
00:31:23: Absolut.
00:31:24: Und ich sehe aber die Zukunft des Journalismus
00:31:26: wirklich sehr pessimistisch,
00:31:29: denn der faktenbasierte Journalismus ist durch diese sozialen Netzwerke
00:31:35: schon ins Hintertreffen geraten, weil sich einfach das
00:31:42: Medienverhalten der Menschen so extrem schnell verändert.
00:31:45: Und es ist heute nicht mehr die Frage,
00:31:47: ob Print oder online, das ist überhaupt nicht die Frage.
00:31:50: Sondern die Frage ist Journalismus oder nicht Journalismus?
00:31:54: Und der faktenbasierte Journalismus erreicht
00:31:58: vor allem junge Menschen eigentlich kaum. Sondern die
00:32:02: erzählen mir: Wenn
00:32:04: etwas Wichtiges ist, dann erreicht mich die Nachricht schon,
00:32:07: die findet mich schon auf irgendwelchen Kanälen.
00:32:10: Aber ob das
00:32:10: jetzt eine überprüfte Meldung ist,
00:32:13: ob das ein faktenbasierter Journalismus ist
00:32:15: oder eine Verschwörungstheorie oder was auch immer,
00:32:19: das wird immer schwieriger zu unterscheiden.
00:32:21: Jetzt mit der künstlichen Intelligenz und mit ChatGPT kommt
00:32:26: hier noch einmal etwas Zusätzliches,
00:32:27: was ja wirklich wahnsinnig schwierig ist.
00:32:29: Wir in Österreich haben auch das Problem, dass die
00:32:33: klassischen Medienhäuser oft wirklich vor großen wirtschaftlichen
00:32:38: Problemen stehen: Denn beide Erlösströme
00:32:40: - sowohl die Abos als auch das Inseratenaufkommen
00:32:44: - einfach sukzessive in das Internet abwandern oder zurückgehen.
00:32:49: Und jetzt gibt es da massive wirtschaftliche Probleme.
00:32:53: Es gibt in Österreich kein Journalismusgesetz oder
00:32:58: kein Medienförderungsgesetz,
00:33:00: das den Namen auch verdienen würde,
00:33:02: das sich auch an Qualitätskriterien orientiert.
00:33:05: Und das macht die Situation noch einmal um einiges
00:33:10: schwieriger.
00:33:12: Und ich bin jetzt, was mich sehr freut, sehr gefragt.
00:33:21: Gefragt, als Vortragende zu dem Thema, weil ich bin
00:33:26: Ombudsfrau des Österreichischen Presserats
00:33:28: und dadurch auch mit der Branche
00:33:30: noch intensiv im Austausch und im Kontakt.
00:33:33: Und ich weiß, was so abgeht
00:33:34: und das ist wirklich schwierig, weil an und für sich sind
00:33:37: ja die Medien die vierte Säule der Demokratie.
00:33:41: Und wenn diese Säule bröckelt, dann ist es ein ganz extremer Schaden
00:33:46: insgesamt für die Gesellschaft, für die Demokratie.
00:33:51: Der Pressefreiheits-Index,
00:33:52: der im vergangenen September
00:33:53: präsentiert wurde, hat ausgewiesen, dass die Lage der Pressefreiheit
00:33:58: weltweit so schlecht ist wie seit 50 Jahren nicht.
00:34:03: Und die Erhebung hat aber noch gar nicht umfasst -
00:34:06: die ist bis zum Ende 2024 gegangen - was jetzt
00:34:12: die US-Administration von Donald Trump für die Pressefreiheit bedeutet.
00:34:20: Also das ist eine ganz schwierige Situation.
00:34:24: Man kann nur hoffen,
00:34:25: dass die Menschen dann irgendwann
00:34:26: auch einmal von dieser
00:34:27: Informationsflut wieder genug haben und sagen:
00:34:32: Ich suche mir ein verlässliches Medium, einen
00:34:33: verlässlichen Medientitel.
00:34:35: Und wie gesagt, Print oder Online ist nicht die Frage ist,
00:34:37: sondern die Frage ist Journalismus oder nicht Journalismus?
00:34:42: Und wenn man mit jungen Menschen spricht:
00:34:43: Ich frage sehr oft, woraus werden Informationen bezogen?
00:34:47: Zumeist ist die Antwort: Soziale Medien.
00:34:50: Und das zweite, was ich frage: Sucht ihr gezielt nach etwas und sucht
00:34:54: euch Informationen oder lest ihr das, was ihr vorgeschlagen bekommt?
00:34:59: Und die Antwort ist zumeist: Wir kriegen sozusagen Vorschläge.
00:35:04: Und das ist natürlich dann die größte Gefahr, dass nicht
00:35:08: nachgeforscht wird, was ist die Quelle, woher kommt diese Nachricht?
00:35:13: Sondern dass man immer diese Bestätigung
00:35:15: von vorhandenen Meinungen bekommt, die sozusagen
00:35:18: die künstliche Intelligenz und der Algorithmus, der hinterlegt
00:35:21: ist, immer mehr verstärkt.
00:35:23: Das sind ja zum Teil sehr interessant gesteuerte Algorithmen:
00:35:29: Mein Großneffe hat irgendwann im Internet ein Burger-Rezept gesucht
00:35:37: und seitdem kriegt er
00:35:38: in alle seine Timelines nur noch Burger-Rezepte
00:35:40: und Burge-Geschichten eingespielt, was ja zum Lachen ist.
00:35:44: Nur wenn er auf ein Gewaltvideo gestoßen wäre, absichtlich oder
00:35:49: unabsichtlich, würde er nur noch solche Sachen eingespielt bekommen.
00:35:54: Und das ist natürlich höchst gefährlich.
00:35:56: Und das wissen die wenigsten.
00:35:57: Und vor allem jetzt
00:35:59: mit der künstlichen Intelligenz kann man jeden Avatar machen.
00:36:04: Da kann man nicht mehr unterscheiden,
00:36:06: ist das jetzt ein echter Mensch oder ist das jetzt
00:36:08: eine von der künstlichen Intelligenz generierte Stimme oder Person?
00:36:14: Und das macht es für die Medien konsumierenden Leute
00:36:16: wahnsinnig schwierig. Da braucht es Aufklärung.
00:36:19: Und das ist etwas, wo ich finde, der jetzige Bildungsminister
00:36:24: hat den richtigen Ansatz.
00:36:25: Aber da hat sich die Bildungspolitik in den letzten Jahren
00:36:28: und Jahrzehnten schon viele Versäumnisse aufgehalst.
00:36:34: In Wahrheit muss man mit der Medienkompetenz
00:36:37: im Kindergartenalter anfangen, weil jedes Kindergartenkind wischt
00:36:42: schon am Handy oder am Tablet und sucht oder findet die Dinge.
00:36:47: Das wäre jetzt meine nächste Frage gewesen:
00:36:49: Ob Sie nicht glauben, dass man - wenn man sagt,
00:36:52: man setzt bei den Medien an mit Presseförderung etc.
00:36:56: - zu spät ansetzt?
00:36:58: Dass man eigentlich in der Bildungspolitik ansetzen müsste?
00:37:01: Sprich: Führen Medien und Politik
00:37:06: die wichtigste Debatte zu leise?
00:37:09: Ich bin froh, dass jetzt über manche Dinge sehr laut debattiert wird.
00:37:13: Die Frage, ab wann soll ein Zugriff auf soziale Medien stattfinden?
00:37:18: Ich bin der Meinung, dass man generell über Kompetenzen reden sollte.
00:37:23: Ich glaube aber, dass wir im Moment nicht die Zeit haben, das zu tun.
00:37:28: Als Sofortmaßnahme
00:37:29: hat einmal der Schutz von Kindern im Mittelpunkt zu stehen.
00:37:33: Generell würde ich Verboten nicht das Wort reden.
00:37:36: Aber ich glaube, dass in einer Phase, wo uns das so überrollt,
00:37:40: wo die KI und die Algorithmen wirklich Suchtverhalten erzeugen,
00:37:45: wir nicht die Zeit haben zu sagen, wir lassen jetzt Fünf-,
00:37:49: Sechs-, Siebenjährige
00:37:50: hier alleine in diesem Raum; sondern dass über einen gewissen Zeitraum
00:37:55: eine Zugangsbeschränkung
00:37:56: absolut notwendig ist, um nicht das Ganze noch zu befeuern.
00:38:00: Das heißt aber nicht, dass es uns erspart, Medienkompetenz zu erwerben.
00:38:04: Ich glaube, wir brauchen beides.
00:38:06: Ich glaube nur nicht, dass wir die Zeit haben,
00:38:08: allein auf die Schaffung
00:38:09: von Medienkompetenz im Moment zu vertrauen,
00:38:12: wenn wir unsere Kinder schützen möchten.
00:38:14: Wir könnten jetzt wirklich noch sehr lange weiterreden,
00:38:16: aber ich möchte trotzdem zum Abschluss kommen, und auch
00:38:22: unseren Titel „mit Salz und Pfeffer“ in die nächste Frage hineinnehmen:
00:38:27: Wir stehen drei Tage vor dem Internationalen Frauentag am 8.
00:38:31: März: In welche frauenpolitische Diskussion
00:38:39: oder in welches frauenpolitische Thema, bitte nur ein Thema,
00:38:42: würden Sie gerne gesalzen und gepfeffert hineinfunken?
00:38:47: Ich möchte einfach alle Frauen dieser Welt aufrufen,
00:38:51: es den Isländerinnen nachzumachen, die im Jahr 1975 einen Tag lang
00:38:57: einen freien Tag genommen haben, alles,
00:38:59: die gesamte Arbeit niedergelegt haben im öffentlichen Bereich,
00:39:03: im beruflichen Bereich wie im Privaten.
00:39:05: Und dann ist der Staat stillgestanden.
00:39:07: Und seitdem gibt es in Island eine weitgehende Gleichstellung
00:39:12: von Mann und Frau.
00:39:13: Und das wäre einfach so notwendig bei uns und überall auf der Welt,
00:39:18: dass man einmal sagt
00:39:19: „Schaut einmal, was die Frauen leisten“
00:39:21: und dann würde das alles vielleicht ein bisserl schneller gehen.
00:39:25: Und Ihr Thema?
00:39:27: Also ganz ein lautes Stopp der Gewalt!
00:39:31: Also wenn man das Thema Gewalt in den sozialen Medien
00:39:36: und das ist Gewalt, das hier angewandt wird,
00:39:38: das haben wir schon besprochen.
00:39:40: Aber auch psychische Gewalt, physische Gewalt,
00:39:43: die sich immer mehr niederschlägt, wo man sieht,
00:39:46: dass diese Grenzüberschreitung, wo Gewalt beginnt,
00:39:49: sich danach anders äußert. Hier wirklich ganz ein lautes Stopp!
00:39:52: Gewalt ist nicht zu tolerieren.
00:39:57: Ich danke Ihnen beiden sehr herzlich für dieses spannende Frauen-Doppel,
00:40:02: für das Unplugged-Gespräch - unverfälscht, ehrlich, echt.
00:40:07: Vielen Dank!
00:40:09: Sehr geehrte Damen und Herren, ich danke auch
00:40:11: Ihnen fürs Mitdabeisein, fürs Zuhören, fürs Zusehen.
00:40:16: Alles Liebe - bis zur Folge drei von Kärnten unplugged.
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